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22. Mai 2026Mit pathetischen Überwältigungs-Mitsing-Pop-Songs begeistert Conan Gray seine Fans in der Hamburger Sporthalle
Text von Gérard Otremba, Fotos von Sarah Ismail
Ein in vier Akte aufgeteiltes Pop-Konzert erlebt man auch nicht alle Tage. Conan Gray macht das zur Zeit möglich. Auf der Welttournee zu seinem aktuellen Album „Wishbone“ gastierte der amerikanische Sänger und Songwriter am 21.05.2026 in der Hamburger Sporthalle und verwandelte diese in eine Art Musical-Theater mit wechselnden Bühnenoutfits und Kostümen. Berühmt geworden ist Conan Gray über seinen Video-Blog auf Youtube, mit dem er früh eine Fangemeinde aufgebaut hat, bevor 2020 sein Debütalbum „Kid Krow“ erschien, das in den heimatlichen USA bis auf Platz 5 der Charts kletterte. „Wishbone“ ist die nunmehr vierte Platte des 27-Jährigen – und natürlich standen diese Songs im Mittelpunkt des Konzerts.
Esha Tewari als Suppert von Conan Gray
Die zahlreichen, zumeist jungen weiblichen Fans – viele von ihnen adäquat zum „Wishbone“-Plattencover in maritimen Outfits gekleidet – ließen sich auch das Vorprogramm der australischen Songwriterin Esha Tewari nicht entgehen, die mit ihren Sehnsuchts-Indie-Pop-Songs bereits für Handy-Lichtermeere und gemeinschaftliches Armeschwenken sorgte. Und ein paar echt schöne Lieder, vorgetragen im Trio-Format, parat hatte. Conan Gray betrat die Bühne der Sporthalle zu seinem Auftritt nicht, er fuhr mit einem roten Fahrrad auf die nun in Form von Weizenfeldern mit Windmühlen gestaltete Bühne, während im Hintergrund die siebenköpfige Frauenband (Geige, Cello, Keyboard, 2x Gitarre, Schlagzeug, Bass) die Begleitung gab. Gray warf noch schnell einen Brief in den aufgestellten, an Hamburg adressierten Briefkasten, zog das dort platzierte Mikro raus und los ging es mit „My World“.
Conan Gray im Matrosenkostüm
Willkommen in der Welt des Conan Gray, die in erster Linie aus pathetischen Überwältigungs-Mitsing-Pop-Songs besteht. Von Gray und seiner Band so mitreißend dargeboten, dass man sich der Hymnik kaum entziehen konnte. Die Fans schon mal gar nicht, die die Texte lautstark mitsangen, tanzten und hüpften. Conan Gray, im ersten Teil des Konzerts mit Matrosenkostüm unterwegs, wuselte von links nach rechts, nutzte auch den, einem Wunschknochen nachempfundenen, gegabelten Bühnensteg zu beiden Seiten, und kam aus dem Winken zu seiner Fanschar kaum heraus. Im zweiten Teil durfte er, Pyjama tragend, das große, von Schäfchenwolken umrandete Bett benutzen. Songs wie „Class Clown“ oder „The Cut That Always Bleeds“ zeigten die eher melancholische Seite des in Texas aufgewachsenen und in Los Angeles lebenden Musikers.
Partystimmung
Der sich beim akustischen Campfire-Überraschungssong in Hamburg zur großen Freude der Fans für „Footnote“ entschied. Passend zum ersten Song („Romeo“) des dritten Teils trat Gray, nun aus einem Holzboot steigend, adrett mit Hemd und Weste auf – eine Besetzung in einem Shakespeare-Stück scheint gesichert. Mit einem weiblichen Fan begab sich Gray in den Wishbone-Wettstreit, den er eigentlich gewann, aber die Unterlegene durfte sich trotzdem den nächsten Song auswählen und entschied sich für „This Song“ (und gegen „Sunset Tower“). Das balladeske „Heather“ schmetterten die Fans aus allen Kehlen und spätestens ab dem vierten Teil (Gray nun mit einer Art Admiralskostüm) gab es Party pur mit den dazu passenden und euphorisierenden Songs wie „Actor“, „Maniac“, „Vodka Cranberry“ und „Memories“ als erste Zugabe. Noch ein paar Posen zum Abschied, am Ende noch Konfetti-Kanone und nach knapp 100 Minuten viele glückliche Gesichter.































