Cleopatrick: Bummer – Albumreview

Cleopatrick: Bummer – Albumreview

Das Duo Cleopatrick verpasst auf seinem Debütalbum „Bummer“ der Rockmusik eine Frischzellenkur

Rock’n’Roll 2.0, oder: Es geht auch anders. Während die Einen ihre Rockmusik gekonnt, doch überraschungsarm anno 2021 kredenzen (siehe Black River Delta-Review gestern), machen anderswo zwei Hip Hop-beeinflusste Jungspunde wie Sandkastenkumpels ein minimalistisches Fass auf mit maximalen Möglichkeiten zum gepflegten Ausrasten: Cleopatrick aus Kanada haben den raueren Sound, die deftigere Attitüde und sowieso die besseren, klischeefreien Texte. Sie schaffen darüber hinaus ein gegenwartkonformeres Gesamtkunstwerk mit interaktiver Präsenz in den sozialen Medien; inklusive bandbezogenem Retrogame auf ihrer Homepage sowie kollektivem Zusammenschluss mit weiteren Bands und Künster:Innen zur „New Rock Mafia“.

Das Powerduo Cleopatrick

Cleopatrick Bummer Cover Nowhere Special Recordings

Das Ziel dabei: gegenseitige Unterstützung sowie der Auftrag, Rockmusik eine inhaltliche Frischzellenkur zu verpassen – auf eine ähnliche Art und Weise, wie es der Grunge aus Seattle in den Neunzigern tat. Junge Leute mit einer Mission also, dabei nicht die Wurzeln des Rocks verleugnend – allerdings befreit von jeglichem Kommerz- wie Pomp-Bullshit, den man als Rockfan eigentlich nicht braucht. Luke Gruntz (Gitarre/Gesang) und sein Buddy Ian Fraser (Schlagzeug) bringen damit als Powerduo die besten Voraussetzungen mit. „Bummer“ ist ein Debüt, aber wie das heutzutage nun mal so ist, weiß das Netz schon lange Bescheid: Einige Stücke zirkulieren dort bereits seit 2016, veröffentlicht auf zwei EPs auf dem eigenen (!) Label Nowhere Special Recordings. Vier Stücke des Albums sind vorher als Singles erschienen, sechs weitere komplettieren nun das am Freitag erscheinende Werk, das seine persönliche Note durch eine ziemlich breit gefächerte Soundwand offenbart.

Von Vocals und Drums

Die Gitarre klingt zwar meist rau, doch auch immer divers – sie variiert von satten Hardrock-Riffs über post-punkiges Geflimmer sowie von Garagen- zu Schweine-Rock-Malträtierungen, so dass man beim Hören ständig die abgefetzten Saiten vor Augen hat. Ebenso flexibel der vokale Einsatz von Luke Gruntz – Sprechgesang, Wehklagen, Anschreien oder coole Phrasierung – alles hat er gleichermaßen drauf, oft bringt er diese Facetten im gleichen Stück unter. Dabei klingt er an einigen Stellen so soulful wie Afghan-Whigs-Frontröhre Greg Dulli, an manchen so entspannt wie Dope Lemons Angus Stone.

Ian Fraser, der seinen Namen mit dem (nach Ansicht des Verfassers) größten Rockgott, der jemals auf diesem Planeten wandelte, teilt und damit vielleicht gar nicht anders konnte als die Flamme des Rock’n’Roll nicht nur hochzuhalten, sondern ebenso zu modifizieren, drischt dabei effizient wie gewaltig, nicht ohne jedoch an den richtigen Stellen spannende Ausbrüche beizumengen, die weit über das reine Rhythmusgeben hinaus gehen. Ich wette, sein Drumset fällt genauso sparsam wie effektiv aus.

Anspieltipps gibt es keine, das gesamte Album ist ein Knaller. „If you care about the future of rock, support it“ verlangt das Online-Rock-Magazin „Wild Honey“ beim Porträt der New Rock Mafia, ich schließe mich diesem Aufruf uneingeschränkt an. Anfangen kann man dabei mit dieser großartigen Scheibe.

„Bummer“ von Cleopatrick erscheint am 04.06.2021 bei Nowhere Special Recordings / Thirty Tigers. (Beitragsbild von Kurtis Watson)

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