Cinnamon loves Candy: Bandportrait

Mit Indie-Power-Pop auf dem Weg zum Debütalbum

von Gérard Otremba (Fotos: Inke Valentin)

Softwareentwickler. Drei der vier Mitglieder der Hamburger Band Cinnamon loves Candy hat es beruflich in die IT-Branche verschlagen. Es mutet zunächst nach einem gespielten Witz, einem Fake, oder dem absichtlichen Zulegen einer Bandlegende an, wie die erfundenen Einzelnamen es suggerieren. Doch als nach George Green und Till „The Valentine“ auch noch Ian Newland den Softwareentwickler bei der Frage nach ihren bürgerlichen Berufen raushaut, gerät man zwangsläufig ins Stocken und vermutet die große Verschwörung. Jedoch war der eine Job kein Einstellungskriterium bei der Bandgründung, sondern „reiner Zufall“, wie alle unisono beteuern. Ganz erleichtert nehme ich zur Kenntnis, dass Schlagzeuger Phil Summer noch studiert und sich dort der Forschung und nicht der Software hingibt.

George Green und der Einfluss der Beatles

Mit voller Absicht hingegen fand Sänger und Gitarrist George Green den Weg nach Hamburg. In Mannheim aufgewachsen verschlug es ihn 2011 aus privaten, beruflichen und musiktechnischen Gründen in die Hansestadt. „In Hamburg passiert einfach viel in Sachen Musik und dann hat sich auch beruflich eine Tür für mich aufgetan“, rekapituliert Green seinen Umzug in den hohen Norden. Musikalisch ist er mit Joy Divison und den Sisters Of Mercy aufgewachsen, doch den entscheidenden Impuls gaben einmal mehr The Beatles, als Green eines Tages deren Smash-Hit „I Want To Hold Your Hand“ hörte. „Es war in irgendeiner ZDF-Matinée-Sendung über die Beatles, als ich den Song hörte, der mich einfach weghaute“, erinnert sich Green, der mit 18 Jahren Gitarrenunterricht nahm, alsbald zum Gesang wechselte und diesen weiterhin mit Unterricht perfektioniert.

Die englische Schule von Gitarrist Till Valentin

In Hamburg begegnete er schnell den Gitarristen Till „The Valentine“ kennen, der zuvor mit einer U2-Coverband unterwegs war. Der Hamburger lernte als Kind die berüchtigte Blockflöte, bevor er später auf einer Orgel „simple Modern Talking-Songs“ nachspielte und als Teenager zur klassischen Gitarre kam. Als Autodidakt brachte er sich anschließend das E-Gitarrenspiel bei. Valentins popmusikalische Präferenzen sind eindeutig auf der britischen Insel zu verorten. „Ich bin mit der Musik von Queen bis U2, aber auch mit The Smiths, INXS, dem Brit-Pop von Oasis und dem Manchester-Rave groß geworden“, nennt Till Valentin seine wichtigsten Einflüsse, die im Power-Pop von Cinnamon loves Candy eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen.

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Foto: Inke Valentin

Vom „Musikantenstadl“ zum Schlagzeuger

Als nächstes stieß der aus Österreich stammende Phil Summer im Sommer 2013 zur Band. Der Student und einzige Nicht-IT-ler begann mit sieben Jahren das Schlagzeugspiel, nachdem er das zweifelhafte Vergnügen hatte, eine „Musikantenstadl“-Sendung sehen und sich hernach zwischen Posaune und Schlagzeug als potentiell zu lernende Musikinstrumente entscheiden zu dürfen. „Als Grobmotoriker entschied ich mich für das Schlagzeug“, erinnert sich Summer mit einem Augenzwinkern. Das „Musikantenstadl“-Erlebnis hat scheinbar keine weiteren musikalischen Schäden hinterlassen, zählt Phil Summer doch die Hardrockgrößen Led Zeppelin und Deep Purple als Bezugsbands auf, mit denen er aufgewachsen ist. „Aber ich lege mich da stilistisch nicht fest, also, die Musik von Helene Fischer kommt mir nicht ins Haus, aber ansonsten bin ich allem gegenüber offen“, berichtet Summer.

Der Weg vom Techno über Metallica zum Bass

Seit März 2014 gehört auch Bassist Ian Newland zur Formation. Der in Hamburger aufgewachsene Newland ist zunächst im Alter von zehn Jahren durch seine Schwester vom Techno-Fieber infiziert worden, eine Laufbahn als DJ schien die logische Folge, begann Newland doch bald, mit billigen Musikprogrammen Techno herzustellen. Doch der Weg zum Metal lag nicht in weiter Ferne und bald geriet er in die Fänge von Metallica, eine Band, die ihn nach wie vor beeindruckt. „Techno höre ich gar nicht mehr, die Entwicklung in diesem Bereich sagte mir nicht mehr zu, Minimal Music kann ich mehr abgewinnen. Aber Metallica oder Rammstein gehen immer“, sagt Jan Neuland. Und, nicht zu vergessen „die Ärzte, die sind mir doch sehr ans Herz gewachsen“, erzählt Newland, der bereits als Jugendlicher Gitarre spielte und erst wenige Wochen vor Bandeintritt zum Bass wechselte.

Die EP Superpower und das kommende Debütalbum

Als Cinnamon loves Candy veröffentlichten die vier Musiker vor wenigen Wochen ihre erste EP mit dem Titel Superpower. Ein Ausrufezeichen in Sachen Indie-Pop und gleichzeitig ein gelungener Appetizer für das im kommenden Frühjahr geplante Debütalbum. Die vier auf der EP versammelten Songs sind ein Ausbund an hymnischem Pop, allen voran der Titeltrack „Superpower“ fräst sich mit seiner ungemein eingängigen und catchy Melodie in die Gehörgänge. Ein Song mit zu Händen greifendem Hit-Potential, den alle Radio-DJs und Indie-Pop-Hörer lieben müssten. Doch auch „All We See“, „Killer Without Aim“ und „You Rip My Life Away“ stehen „Superpower“ kaum nach, überzeugen mit ausgeprägten Hooklines, treibenden Beats und decken das weite musikalische Feld von den Editors bis zu U2 ab.

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Foto: Inke Valentin

Das Hamburger Musikumfeld von Cinnamon loves Candy

Die „Superpower“-EP ist im Hamburger Hafenklang Studio von Stephan Gade und Marc Schettler produziert worden und beim Hamburger Label brillJantSounds erschienen. Mit dessen Macher Jan Kleinschmidt haben Cinnamon loves Candy einen Berater, Promoter und eine Art Coach gefunden, der sie mit Rat und Tat unterstützt. Nichtsdestotrotz bleibt genügend Arbeit für die Band übrig, die zum Beispiel das Booking selbst in die Hand nimmt, so dass „ich im Prinzip jeden Tag mit der Musik und der Band beschäftigt bin, entweder es entsteht ein Song, oder ich spiele Gitarre, gehe zum Gesangsunterricht oder kümmere mich um das Organisatorische“, weiß George Green zu berichten. Auftrittsmöglichkeiten gäbe es so viele nicht, ganz im Gegensatz zu Großbritannien, „wo die Livekultur stärker ausgeprägt ist“, sagt Till „The Valentine“. Da kommt die Reihe „Tausend neue Töne“ im Grünen Jäger wie gerufen, wo Cinnamon loves Candy am 14.11.2014 das Hamburger Publikum begeistern und einen vielleicht wichtigen Meilenstein in ihrer jungen Karriere feiern können.

Von Träumen, Wünschen und der Realität

Selbstverständlich träumen Cinnamon loves Candy davon, „dass es soweit kommt, Musik hauptberuflich machen zu können“, wie Till Valentin es formuliert. Doch bis dahin sind kleinere Ziele nicht zu verachten. „Einfach mal 50 Leute auf einem Konzert erleben, die man nicht kennt und die dann voll abgehen“, wünscht sich Sänger George Green. „Die Decke muss schwitzen“, ergänzt Drummer Phil Summer, während Ian Newland einen Schritt weiter geht und „das Gefühl“ erleben möchte, „einen Lawine loszutreten, der man nicht mehr Herr wird.“ Eine Lawine, zu der der Verkauf von Singles und Platten gehört, erkennt Newland doch „durch die Download- und Spotify-Geschichten einen erheblichen Wertverlust der Musik, eine Entwicklung, die viel kaputt macht in der Musikbranche“. Software entwickeln können die Herren bereits. Am musikalischen Durchbruch basteln sie noch, sind jedoch auch hier auf dem besten Weg.

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