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von Mia Lada-Klein
Neun Jahre nach ihrem Debüt „Free Fall“ meldet sich die niederländische Singer-Songwriterin Celine Cairo mit ihrem neuen Album „Panacea“ zurück. Zehn Songs umfasst das Werk, auf dem sie persönliche Erfahrungen mit ihrer engen Verbindung zur Natur verknüpft. Das klingt zunächst nach einem Album für ruhige Stunden. Nach dem Hören stellt sich allerdings die Frage, ob ruhig manchmal vielleicht auch zu ruhig sein kann.
Celine Cairo: Sanfter Einstieg mit ungewöhnlicher Reihenfolge
Den Auftakt macht direkt der Titelsong „Panacea“, der bereits als erste Single veröffentlicht wurde. Getragen von Cello, Synthesizern und einer zwölfsaitigen Gitarre eröffnet Celine Cairo ihr Album auf ausgesprochen entspannte Weise. Dabei fällt sofort ihre Stimme auf. Sie besitzt eine interessante Mischung aus Sanftheit und Kraft. Nicht so zerbrechlich wie etwa Jewls, dafür mit einer inneren Stärke, die stellenweise an Des’ree erinnert. Irgendwo dazwischen findet sie ihren eigenen Platz.
„Panacea“ eröffnet das Album auf zurückhaltende Weise. Auch wenn man das zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen kann, spoilere ich an dieser Stelle einfach mal: Der Song gibt die Marschrichtung für die folgenden Stücke klar vor. Überraschend wirkt die Entscheidung, erst danach das eigentliche „Intro“ folgen zu lassen. Eine eigenwillige Reihenfolge, die kurz irritiert, aber auch nur, weil es so selten vorkommt.
Bei „Cycles“ kommt zusätzlich ein Klavier hinzu. Dazu gesellen sich ein leichter Beat und dezente R&B-Anleihen. An der grundsätzlichen Ausrichtung ändert das allerdings wenig, denn es bleibt eher zurückhaltend. Auch „Woman“ setzt auf Zurückhaltung und begleitet den Gesang vor allem mit einer Akustikgitarre.
Celine Cairo: Das perfekte Album für Liebeskummer
Wer darauf wartet, dass „Panacea“ irgendwann richtig aufdreht, wartet vergeblich. Das Album bleibt über weite Strecken ruhig, sanft und melancholisch. Besonders deutlich wird das bei „The Great Divide“, einem der stärksten Songs des Albums. Spätestens hier wird klar, dass Celine Cairo ihrem eingeschlagenen Weg treu bleibt und keine großen Ausreißer mehr folgen werden. Klavier und Akustikgitarre bestimmen den Track, der zwar etwas mehr heraussticht als die anderen Stücke, vielleicht aber auch einfach nur meinen persönlichen Geschmack stärker trifft. Trotzdem fügt er sich nahtlos in den ruhigen Fluss des Albums ein.
An diesem Punkt entsteht der Eindruck, dass Celine Cairo möglicherweise das perfekte Album für Liebeskummer geschrieben hat. Wer sich nach einer Trennung mit einer Decke, einer Tasse Tee und seinen eigenen Gedanken vergraben möchte, findet hier den passenden Soundtrack. Das ist durchaus als Kompliment gemeint. Gleichzeitig liegt genau darin auch die größte Schwäche des Albums. Denn die Melancholie ist allgegenwärtig. Sie schleicht sich durch nahezu jeden Song und lässt kaum Raum für Kontraste. Wer ohnehin einen schlechten Tag erwischt hat, könnte nach einer Stunde mit Celine Cairo nicht unbedingt bessere Laune haben.
Schöne Songs, aber wenig Höhepunkte
Mit „I Am I“ kommt zumindest kurz etwas mehr Bewegung ins Spiel. Streicher treffen auf einen leicht poppigeren Rhythmus und sorgen für einen kleinen Energieschub. Danach folgt mit „Coral Skies Interlude“ eine ganz kurze Verschnaufpause, bevor „Coral Skies“ die Geschwindigkeit noch einmal deutlich reduziert. Alles wird noch etwas langsamer, noch etwas stiller.
Den Abschluss bildet schließlich „Swallows“. Mit über fünf Minuten Laufzeit ist es zugleich der längste Song des Albums und bleibt dem eingeschlagenen Kurs treu. Ruhig, getragen und melancholisch.
Und tatsächlich ertappt man sich am Ende dabei, ein wenig erleichtert zu sein, wenn die letzte Note verklungen ist. Das klingt härter, als es gemeint ist. Celine Cairo kann gute Songs schreiben und sie kann singen. Vor allem aber gelingt es ihr, diese ruhigen, melancholischen Stimmungen einzufangen und sie auf ihr Album zu packen. Das gelingt ihr aber vielleicht sogar etwas zu gut. Auf Dauer wird die emotionale Schwere des Albums anstrengend.
Allgegenwärtige Schwere
Fazit: „Panacea“ ist ein gutes Album, ohne Frage. Mit vielen schönen Momenten und einer bemerkenswerten Stimme im Mittelpunkt. Die ganz großen Höhepunkte fehlen allerdings. Das ist nicht weiter schlimm, schließlich sind solide Alben eher die Regel als die Ausnahme. Auch wenn Musikgeschmack immer subjektiv ist, stoße ich mich hier jedoch etwas zu sehr an der allgegenwärtigen Schwere.
Vielleicht ist es aber auch einfach ein Album, das den richtigen Zeitpunkt braucht. Wer gerade in melancholischer Stimmung ist und sich darin auch ein wenig verlieren möchte, wird hier vermutlich glücklich werden. Für alle anderen könnte es stellenweise etwas zu viel Trübsal und etwas zu wenig Licht sein.
Celine Cairo veröffentlicht „Panacea“ am 18. Juni 2026 via Celine Cairo Music. (Beitragsbild Carlijn Andriessen)





