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27. Juni 2026Dass Cécile McLorin Salvant das Zeug zur großen Jazz-Diva hat, ahnte man schon länger. Ihr orchestrales Songbook-Album liefert einen weiteren Beweis.
von Werner Herpell
Den Begriff „Jahrhundertstimme“ sollte man nicht inflationär verwenden – in diesem Fall ist er aber mal angebracht. Cécile McLorin Salvant verfügt über das notwendige Volumen, den Ausdruck und das Charisma, um in die Fußstapfen der größten Sängerinnen des Jazz zu treten. Also aufzusteigen in die einsamen Höhen einer Billie Holiday, Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald, Dinah Washington, Nina Simone. Nicht dass die 36-jährige Afroamerikanerin aus Miami/Florida nun immer direkt vergleichbar wäre mit jeder einzelnen dieser Ikonen – aber das entsprechende Talent, die Begabung hat sie wie nur wenige andere im aktuellen Vocal-Jazz (mir fallen nur noch Dee Dee Bridgewater und Cassandra Wilson ein).
Virtuose Interpretation von Standards
Mit „With Every Breath I Take“ legt McLorin Salvant nun ihre erste komplett mit Orchester eingespielte Platte vor. Und sie nutzt den eindrucksvollen Klangkörper des niederländischen Metropole Orkest unter Leitung von Jules Buckley für eine virtuose Interpretation von Jazz-Standards plus einer Eigenkomposition, die im selben opulenten Stil gehalten ist. Ein größerer Kontrast zum vorjährigen, „moderneren“, aber auch etwas beliebigen Patchwork-Album „Oh Snap“ ist kaum denkbar.
Ein sinfonisches Jazz-Album ist für jede Sängerin und jeden Sänger ein herausfordernder Qualitätstest – McLorin Salvant besteht ihn mit Bravour. Denn diese fabelhafte Künstlerin, die vor Jahren schon mit einer außergewöhnlichen Fassung von Kate Bushs „Wuthering Heights“ begeisterte, macht auch aus jeder der neun Jazz-Coverversionen etwas ganz Eigenes. So findet sie einen speziellen Dreh auch für wohlbekannte Kompositionen wie „Sophisticated Lady“ (Duke Ellington), „Being Alive“ (Stephen Sondheim) oder „Lush Life“ (Billy Strayhorn).
Große Kunst mit Kurt-Weill-Cover
Zwei Klassiker-Versionen gilt es aber dann doch hervorzuheben: Wie Cécile McLorin Salvant den „Barbara Song“ aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ (im Kurt-Weill-Original „Der Song vom Ja und Nein“) zelebriert, wie sie in gut acht intensiven Minuten die Emanzipation und das Begehren der Polly Peachum fühlbar macht, das ist ganz große Kunst. Ebenso berührend gelingt ihr die in perfektem Französisch gesungene Interpretation von „Les Parapluies De Cherbourg“, einem fast schon zu Tode gecoverten Welthit von Michel Legrand.
„Es ist eine seltene Gelegenheit, ein Album in diesem Umfang zu realisieren, wovon ich seit vielen Jahren geträumt habe“, sagt die dreifache Grammy-Gewinnerin über ihr Songbook-Album. „Darcy James Argue hat atemberaubende Arrangements geschrieben, und das Metropole Orkest unter der Leitung des außergewöhnlichen Jules Buckley hat diesen Geschichten eine filmische Dimension verliehen. Ich bin unglaublich stolz, es präsentieren zu können.“ Recht hat sie.
Cécile McLorin Salvant kommt zu sechs Konzerten
Apropos präsentieren: Mit Stücken aus „Oh Snap“ und „With Every Breath I Take“ wird McLorin Salvant wohl auch ihre mit Spannung erwarteten Deutschland-Konzerte im Herbst bestreiten – am 13.10.2026 in Essen (Lichtburg), am 14.10.2026 in München (Herkulessaal der Residenz), am 17.10.2026 in Monheim am Rhein (Kulturraffinerie K714), am 19.10.2026 in Hamburg (Laeiszhalle, großer Saal), am 20.10.2026 in Berlin (Kammermusiksaal Philharmonie Berlin) und am 21.10.2026 in Hannover (Kulturzentrum Pavillon).
Tickets könnt ihr euch im Vorverkauf über das Eventim-Partnerprogramm von S&B sichern.
Das Album „With Every Breath I Take“ von Cécile McLorin Salvant ist am 26.06.2026 bei Nonesuch/Warner erschienen. (Beitragsbild von Kate Sterlin)





