Casper: Lang lebe der Tod – Albumreview

Casper: Lang lebe der Tod – Albumreview

Ein mutiger Casper hievt sich auf das nächste Level

Wer sein neues Album mit 30 Sekunden Fanfare und einem Stück mit den Gaststars Blixa Bargeld, Dagobert & Sizarr eröffnet, hat sich einiges vorgenommen. Casper, der die Veröffentlichung seines vierten Albums um ein ganzes Jahr verschob, weil er mit dem damaligen Stand nicht zufrieden war, ist mit dem Vorgängeralbum zu einer Art Messias des Deutsch-Rap geworden, zu einem Heilsbringer, der Anhänger verschiedenster Genres vereint. Seit seinem letzten Release „Hinterland“ sind fast vier Jahre vergangen. Es hat sich einiges getan in dieser Zeit. Ging es bisher in seinen Texten überwiegend um Themen der Adoleszenz und um eine Art Innenschau, widmet sich Casper auf „Lang lebe der Tod“ mehr dem aktuellen Zeitgeschehen.

Sounds & Books_Casper_Lang lebe der Tod_CoverEin Gefühl von Endzeitstimmung durchweht das Album, das düster, aggressiv, kantig und unbequem ist. Und genau daraus seine Kraft zieht. In „Morgellon“ nimmt der Deutsch-Amerikaner die Perspektive eines Verschwörungstheoretikers ein, in „Deborah“ beschäftigt er sich mit dem Thema Depressionen, in „Keine Angst“ mit der Gefühlskälte der Generation Y in Großstädten. Es klingt wie ein Abgesang aufs leichte Leben. Leichte Kost ist das nicht. Auch nicht musikalisch: Songs wie „Sirenen“ und „Morgellon“ sind mit schweren Beats ausgestattet und schleppen sich schweren Schrittes durch die Apokalypse und dunklen Metaphern. Ganz ohne Hit muss diese Platte aber nicht auskommen. Das hymnische „Alles ist erleuchtet“, das auch als Single ausgekoppelt wurde, hat bereits im Sommer die Festival-Feuertaufe mit Bravour bestanden.

Und auch „Keine Angst“ (mit Gast Drangsal) oder „Lass Sie gehen“ (mit den Gästen Ahzumjot & Portugal. The Man), in dem Casper gegen Nazis, homophobe Rapper und Boulevard-Journalismus austeilt, sind eingängig und massenkompatibel. „Lang lebe der Tod“ ist ein mächtiges Brett geworden. Das Album in der Karriere von Casper, mit dem er sich textlich wie musikalisch aufs nächste Level hievt. Casper hat Mut bewiesen, seine Perspektive nicht nur nach innen, sondern auch nach außen zu richten. Das Warten hat sich gelohnt.

„Lang lebe der Tod“ von Casper erscheint am 01.09.2017 bei Columbia Records / Sony Music.

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