Camera Obscura: Look To The East, Look To The West

Camera Obscura Pressefeoto Merge Records

Nach elf Jahren Pause melden sich Camera Obscura zurück. Kann die schottische Indie-Pop-Band ihre letzten beiden Erfolgsalben übertrumpfen?

von Gérard Otremba

Mit ihren letzten beiden Alben „My Maudlin‘ Career“ (2009) und „Desire Lines“ (2013) hatten es Camera Obscura geschafft. Die schottische Indie-Pop-Band fand den Weg in die UK-Charts, dezent in den 30er-Platzierungen, aber immerhin. Die 1996 in Glasgow gegründete Formation um Sängerin und Gitarristin Tracyanne Campbell trat aus dem Schatten der artverwandten Kollegen von Belle And Sebastian und verzückte in ähnlicher Weise. 2015 verstarb Keyboarderin Carey Lander an einer Krebserkrankung, wohl auch ein Mitgrund für die längere Pause, die Camera Obscura als Band einlegten, um nun nach elf Jahren mit „Look To The East, Look To The West“ ein

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erhofftes Comeback zu feiern.

Sofort hin und weg

Look To The East Look To The West Cover Merge Records

Camera Obscura schwelgen in ihren elf neuen Tracks nur so in zauberhaften Melodien. Schon der von Sounds & Books gekürte Vorabtrack „We’re Going To Make It In A Man‘s World“ zeigte die „neue“ Klasse dieser Band. „Uh-Uh“-Backing Vocals, eingebettet in einer verträumten wie eingängigen Melodie, erwärmen das Herz, zwischenzeitlich ein verspieltes Xylophon und ein angenehmes, von Harmonie nur so strotzendes Midtempo betören die Hörer. Der Opener „Liberty Print“, ein Song über den mit 34 Jahren verstorbenen Bruder von Tracyanne Campbell, beginnt ganz sanft mit Campbells wehmütigem Gesang und kosmischen Synthiespielereien, bevor nach knapp einer Minute die Band Fahrt aufnimmt und uns einen der schönsten wie sehnsüchtigsten Songs des Jahres schenkt. Schon beim ersten Song ist man hin und weg, und schlechter wird es nachfolgend nicht.

Anmutige Musik von Camera Obscura

In „Big Love“ kreuzen eine Steel-Pedal-Gitarre sowie eine zackige E-Gitarre ihre Wege, im fluffigen Sixties-Pastiche „Denon“ verwöhnen uns zarte Streicher im Hintergrund und im von einer Hammond-Orgel angetriebenen „Pop Goes Pop“ erreichen Camera Obscura ausgelassene Hymnenhaftigkeit und kommen den letzten Aufnahmen von Belle And Sebastian sehr nahe. In der Pianoballade „Sugar Almond“ singt Campbell so unendlich traurig, dass einem das Herz schwer wird und die Tränen fast natürlich zu fließen beginnen. Der streicherumwehte Titeltrack setzt der Schwermut als Albumcloser den Stempel auf. Anmutige, feinsinnige und grenzenlos schöne Musik. Ein Kandidat für die Jahresendlisten.

„Look To The East, Look To The West“ von Camera Obscura erscheint am 03.05.2024 bei Merge Records / Cargo Records. (Beitragsbild: Pressefoto)         

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