Bully: Sugaregg – Albumreview

Bully: Sugaregg – Albumreview

Das dritte und bislang faszinierendste Indie-Rock-Album von Bully

„Sugaregg“ ist das dritte Album von Alicia Bognanno, die als Bully nach zwei Trio-Alben nun das erste als „Soloband“ veröffentlicht. Bognanno zeichnet auf diesem verantwortlich für Stimme, Texte, Gitarre, etwas Bass sowie einen Teil der Produktion. Darüber hinaus stellte sie das Coverfoto. Für den zu erledigenden Rest ließ sie sich unter die Arme greifen von John Congleton auf dem Produktionsstuhl (St. Vincent, The War On Drugs), Zach Dawes am Bass (Sharon Van Etten, Lana Del Rey) sowie Drummer Wesley Mitchell, mit dem sie schon des Öfteren auf Tour gewesen ist. Im Mai veröffentlichten Bully bereits eine Single mit zwei Cover-Versionen, die sich nicht auf dem Album befinden, dieses thematisch jedoch bereits passend einleiten: „About A Girl“ von Nirvana neben „Turn To Hate“ von Orville Peck.

Songs über Freundschaften und Beziehungen

Bully Sugaregg Cover Sub Pop

Sich verändernde Freundschaften und Beziehungen sind da das Thema, nicht unbedingt zum Guten – Bognanno weiß auf „Sugaregg“ diverse Lieder davon zu singen, z.B. bei „Where To Start“. Ebenso wie die Covers vorveröffentlicht und erst eingespielt, als das Album eigentlich schon fertig war. „I don’t know where to start with you“  brüllt sie da ihr Gegenüber an, während sich eine problematische Beziehung offenbart, von der sie sich gelöst zu haben scheint. Überhaupt: (Befreiungs-)Schreie wechseln sich ab mit zarter Verletzbarkeit. Die an Hypomanie leidende Bognanno verarbeitet offen ihre Zustände vor einem Indie-Rock geschultem Klanggerüst, das nicht selten an Hole oder Dinosaur jr. erinnert – musikalisch also nicht vor Innovationen strotzt, scheinbar Vertrautes jedoch sehr authentisch wie eigen in die Gehörgänge schiebt.

Das Bully-Album wächst bei jedem Hören

Dass Bullys Stücke mehr sind als reine Retroklänge wurde auch schon von Hollywood goutiert, als für den (in Deutschland leider bisher unveröffentlichten, wieso eigentlich?) Film „Her Smell“ Musik von ihr geordert wurde, die sich die durch „Handmaid’s Tale“ bekannte Elisabeth Moss als eine von Courtney Love durchaus inspirierte Figur zu eigen macht. Bei jedem Hören wächst „Sugaregg“ weiter, von angenehmer Hintergrundbeschallung zu stimmungsvoller Rockmusik, die trotz der teils stark depressiven Lyrik zunehmend Lust auf Bewegung evoziert und damit gute Laune macht. Die Trennung von ihren ehemaligen musikalischen Mitstreitern scheint der 29-Jährigen gut getan zu haben, fasziniert „Sugaregg“ doch noch weitaus mehr als die beiden Vorgängeralben. Mit diesem Talent für Songwriting, Darbietung sowie Produktion kann wohl noch so einiges erwartet werden von der Musikerin aus Rosemount, Minnesota. Schade für sie und für uns, dass man dazu gegenwärtig keine Live-Performance bekommt.

„Sugaregg“ von Bully erscheint am 21.08.2020 bei Sub Pop / Cargo Records. (Beitragsbild von Angelina Castillo)

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Bully - Hours and Hours

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