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3. Juni 2026Wuchtige Indierock-Nostalgie trifft ohrwurmigen Pop-Zeitgeist: Mit ihrem fabelhaften Debütalbum „Easy Peeler“ liefert die Hamburger Musikerin Brockhoff ein beeindruckendes Statement ab.
von Carsten Wohlfeld
Lina Brockhoff hat einen langen Anlauf genommen für ihre erste LP. Mit zwei bemerkenswerten EPs und vielen, vielen Konzerten in ganz Europa hat die in Hamburg heimische Musikerin in den zurückliegenden Jahren schon für viel Furore gesorgt, bevor ihr bohrende Selbstzweifel Steine in den Weg legten. Dass sie aus dieser Sinnkrise gestärkt hervorgegangen ist, zeigt nun ihr Album-Erstling „Easy Peeler“, der mit gleich 14 ausnahmslos ausgezeichneten neuen Songs mühelos den Sweet-Spot zwischen rauer Energie und emotionaler Zerbrechlichkeit trifft und Brockhoffs Ausnahmestellung in Indie-Deutschland eindrucksvoll unter Beweis stellt.
Handgemacht zwischen Dreck und Glanz
„Easy Peeler“ besticht durch eine handgemachte, raue Produktion, mit der Brockhoff die Tugenden des Alternative-Rock der 1990er- und frühen 2000er-Jahre in die Gegenwart katapultiert, um im Spannungsfeld von Dreck und Glanz ihre musikalische Bestimmung zu finden.
Ältere Semester dürfen sich beim Hören der LP an die Zeiten erinnert fühlen, in denen „MTV’s 120 Minutes“ das musikalische Weltbild einer ganzen Generation von Indierockern und Indierockettes geprägt hat, wenn sich „The Carpet Song“ als mitreißendes modernes Update von „Teenage Dirtbag“ entpuppt oder bei anderen Songs Smashing Pumpkins und Garbage dezent im Hintergrund zu leuchten scheinen. Jüngere mögen stattdessen vielleicht das Echo von Soccer Mommy, Momma oder Snail Mail hören, ohne dass Brockhoff je Gefahr läuft, nur zu kopieren. Denn obwohl die bemerkenswert geschmackssichere junge Musikerin zweifelsohne weiß, auf wessen Schultern sie steht, zeichnen sich ihre Songs doch inzwischen durch einen ganz eigenen, sofort erkennbaren Brockhoff-Faktor aus.
Schon auf ihrer vor zwei Jahren erschienenen EP „I’ve Stopped Getting Chills For A While Now“ hatte sie bewiesen, dass sie mehr im Sinn hat, als mit wuchtigen Hymnen den Giganten des Alternative-Rock Tribut zu zollen oder den Pop-Olymp zu erklimmen, und auch auf „Easy Peeler“ weiß sie mit einer Reihe von gedämpften, nachdenklichen Songs zu begeistern. So glänzt etwa „Dirty Dream“ mit genau der Melange aus unbedingter Hingabe, inhaltlichem Realismus und unaufdringlicher Eingängigkeit, die so perfekt sonst eigentlich nur die unantastbare Phoebe Bridgers zelebriert.
Brockhoff gibt sich unumwunden ehrlich
Inhaltlich zeigt sich Brockhoff auf „Easy Peeler“ mit introspektivem Storytelling authentisch und verwundbar. Der Albumtitel verweist auf leicht zu schälende Zitrusfrüchte und fungiert als kraftvolle Metapher für die emotionale Offenheit der Songs. Die Texte entstanden in einer Phase intensiver persönlicher Unsicherheit und thematisieren das Unwohlsein in der eigenen Haut und die Zweifel am rauen Klima der Musikindustrie. Brockhoff singt ungeschminkt über das Erwachsenwerden, geplatzte Träume und die Überwindung innerer Blockaden und sorgt mit unumwundener Ehrlichkeit dafür, dass diese betont charakterstarken Coming-of-Age-Songs sich nicht nur als Ohrwürmer festsetzen, sondern auch sofort zu Herzen gehen.
„Easy Peeler“ von Brockhoff erscheint am 05.06.2026 auf PIAS/Integral. (Beitragsbild von Charlotte Krusche)





