Born Ruffians: Uncle, Duke & The Chief – Album Review

Born Ruffians: Uncle, Duke & The Chief – Album Review

Mit dem Lebensgefühl der Beach Boys

Mit Uncle, Duke & The Chief veröffentlicht die kanadische Independent-Band Born Ruffians bereits ihr fünftes Album. Um das gebührend zu promoten, gab es im Vorfeld ganze drei Musikvideos, die narrativ als Hommage an die Bandgeschichte angelegt sind. Die Singleauskopplungen „Love Too Soon“, „Forget Me“ und „Miss You“ wurden von Leah Fay Goldstein und Peter Dreimanis von July Talk produziert und zeigten bereits vor Albumrelease, warum die Kanadier ein heißer Geheimtipp für den kommenden Musikfrühling sind. Das Album selbst wurde von Richard Swift (The Shins, Foxygen) produziert und das beschriebene Konzept der Scheibe macht neugierig auf mehr.

Born Ruffians Uncle, Duke and The Chief Cover„Auf dem neuen Album geht es nur darum das zu machen, was sich gut anfühlt, nicht darum etwas zu produzieren was gerade hip und angesagt klingt. Im Fall der Ruffians heißt das ihre pseudokünstlerische Einflüsse mal bei Seite zu legen und stattdessen mit dem Sound ihrer Eltern und Bands wie Buddy Holly, The Everly Brothers und die pre-psychedelischen Beatles zu reconnecten“, heißt es im Pressetext. Diesem Hintergrund geschuldet, erinnert dann auch der stilistische Aufbau von „Miss You“ zunächst stark an „HYMN“ von Barclay James Harvest. Man möchte fast die Einganszeilen: “Valley’s deep and the mountain’s so high“, mitsingen.

Dann aber geben die Born Ruffians Gas. Zum Einsatz kommen z.B. die Elektro-Orgel, mehrstimmige Vocals und ein Groove, die jeden der neun Songs zu einem besonderen Lebensgefühl macht. „Tricky“ und „Ring That Bell“ sind neben den Singles die rockigsten Stücke der LP. Uncle, Duke & The Chief entfaltet sich mit Wucht, hält gleichbleibend das Niveau und ist ein überraschend positiver Hörgenuss, der von der Gangart an die Surfmusik aus der Ära der Beach Boys stammen könnte. Die Songs beschwören „Good Vibrations“ und das Gefühl, Barfuss durch den Sand zu tanzen.

Die Born Ruffians aber sind nicht nur als Spaßband abzutun und das zeigt dann auch ein Blick auf die Texte. Die bringen immer eine sympathische Portion Selbstironie mit, sind zum Teil aber auch nachdenklich oder biographisch. So handelt etwa „Spread So Thing“ vom Kampf gegen den Krebs des Vaters von Frontmans Luke Lalonde.  Dieser Kontext ist dann eigentlich auch das Meisterhafte an der Scheibe, denn den Kanadiern gelingt es gekonnt in musikalischer Form verpackt zu zeigen, dass Glück und Leid irgendwie immer Hand in Hand gehen. Uncle, Duke & The Chief ist ein starkes, authentisches Album und das ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass die drei Musiker nicht versuchen, sich nach dem musikalischen Zeitgeist zu richten.

„Uncle, Duke & The Chief“ von Born Ruffians erscheint am 16.02. 2018 bei Paper Bag Records / The Orchard (Beitragsbild: Pressefoto Born Ruffians).

BORN RUFFIANS - Miss You

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