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23. Januar 2026Das Buch „Point Black“ mit Zeichnungen von Bob Dylan erweitert die Welt des Songwriter-Genies
von Gérard Otremba
Als Musiker gehört Bob Dylan zu den unumstrittenen Großmeistern seines Fachs. Diverse erstklassige, teilweise revolutionäre Platten hat Dylan in seiner langen Karriere veröffentlicht (siehe die S&B-Liste der Top-Ten-Alben) und weil der 1941 in Duluth, Minnesota, geborene Songwriter auch noch verdammt geniale Texte schreibt, erhielt er 2016 den Literaturnobelpreis. Soweit, so bekannt. Dass Bob Dylan nebenbei auch zeichnet, sollten viele ebenfalls wissen, obwohl diese Kunstform nicht unbedingt im Mittelpunkt seines Schaffens stand.
Dylans Motive
Dieser Kunst widmet sich der bei Hoffmann und Campe in Weltpremiere in deutscher Exklusivausgabe erschienene Band „Point Blank (Quick Studies)“. Das in der Größe 32,5×24,5 cm vorliegende Buch versammelt knapp über 100 in den Jahren 2021/22 entstandenen Schwarz-Weiß-Zeichnungen mit Portraits, Landschaften und Stillleben. Die skizzenhaften Zeichnungen zeigen verschiedene Menschen: Hier ein Karaoke-Sänger, da ein schlafender Mann, dort ein Partygirl; hier ein Mann am Piano, da die boxende Frau, dort der lesende Mann. Dazwischen Brücken, Schiffe, ein Auto in West Virginia, Häuser, Hände am Steuer, ein Mixer, eine Rolle Tesafilm, ein Gesicht im Handspiegel, eine Eierbox, ein Warteraum, eine Tisch-Uhr sowie ein Leica-Fotoapparat, mit dem laut Kurzbeschreibung der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson gearbeitet haben soll.
Die faszinierende Bob-Dylan-Welt
Vielen Zeichnungen sind kleinere, nie mehr als eine Seite langen Texte gegenübergestellt, die jedoch nicht von Bob Dylan stammen, sondern von den Autoren Eddie Gorodetsky, Lucy Sante und Jackie Hamilton. Allerdings fehlt eine direkte Autorenzuordnung, so dass man eben nicht weiß, wessen Gedanken wir lesen und ob hier vielleicht doch Bob Dylan zu uns spricht. Dass sich der Meister gerne mal versteckt, gehört ja zu schon seit langem zu seinem Verständnis als Künstler und seinem Spiel mit der Öffentlichkeit. Mit dem Zitat von Leonard Cohen auf dem Buchrücken („Der Picasso unter den Songwritern“), schlägt der Verlag selbst geschickt die Brücke zwischen Musik und Malerei. Ein neuer Picasso der Bildenden Kunst wird Bob Dylan sicherlich nicht mehr. Doch führt „Point Black“ die Menschen in eine erweiterte Dylan-Welt, die nicht nur für Hardcore-Fans eine faszinierende, mitunter amüsante bleibt und von ihrer Attraktivität nichts verloren hat. Bester Beweis: „Point Black“.
Bob Dylan: „Point Black (Quick Studies)“, Hoffmann und Campe, Hardcover, 200 Seiten, 978-3-455-02186-8, 45 Euro. (Beitragsbild: Buchcover)






