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18. Oktober 2024Und sie tanzen dazu: Bob Dylan gastiert auf seiner „Rough And Rowdy Ways“-Tour in der Frankfurter Jahrhunderthalle
von Gérard Otremba
Ja, sie tanzten. Ein Paar in der ersten Reihe ließ es sich nicht nehmen, zu „Watching The River Flow“ zu tanzen. Ein schönes Bild im letzten Viertel des Bob-Dylan-Konzerts am 16.10.2024 in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Prinzipiell sollte man ja sitzen beim ersten von drei Auftritten des 83-jährigen Songwriters aus Duluth, Minnesota, im komplett bestuhlten Konzertsaal in Höchst. Und manch ein übereifriger Ordner wäre woanders womöglich eingeschtritten (man hat schon viel Obskures auf Konzerten erlebt). Nicht so in Frankfurt.
Atmosphäre eines Wohnzimmerkonzerts
Wo Bob Dylan mit seiner Band, bestehend aus Jim Keltner am Schlagzeug, Tony Garnier am Bass sowie den Gitarristen Bob Britt und Doug Lancio, die Dylan während des fast zweistündigen Gigs auch alle vorstellte, überpünktlich um 19.58 Uhr die noch reichlich dunkle Bühne der Jahrhunderthalle betrat, um, versteckt hinter dem Richtung Publikum platzierten Piano, mit der Einleitung zu „All Along The Watchtower“ zu beginnen. Noch etwas länger geriet der Beginn von „It Ain’t Me, Babe“ und es wurde bereits in den ersten beiden Songs deutlich, wohin die musikalische Reise des Literaturnobelpreisträgers an diesem Abend gehen würde. Die dezente Bandbegleitung erinnerte an ein Wohnzimmmerkonzert in trauter Runde und man froh, die lebende Songwriter-Legende wieder mal in einem etwas kleinerem Rahmen als noch vor fünf Jahren in Hamburg in der großen Braclays Arena (Sounds & Books berichtete) zu erleben.
Ein lässiger und cooler Bob Dylan
Bob Dylan und seine Band spielten viel Blues, kaum Rock, stattdessen mehr Roll wie bei „To Be Alone With You“ und „Desolation Row“, das von den Beteiligten mit dem Groove einer abgespeckten „Series Of Dreams“-Version versehen wurde. Völlig zu Recht erhielt diese klasse Darbietung zahlreiche Standing Ovations. Immer wieder tauchte Dylan hinter seinem Piano hervor, lehnte sich dann lässig wie ein Diskussionleiter oder Redner über das Klavier Richtung Fans und das war schlicht cool (so cool es für einen 83-jährigen Musiker eben so geht). Und amüsant zu beobachten. Dylan sieht sich nach wie vor auf der Tour zum 2020 veröfffentlichten und von uns rezensierten Album „Rough And Rowdy Ways“ als Bestandteil seiner „Never Ending Tour“, so dass bis auf „Murder Most Foul“ das komplette Album auf der Setlist zu finden war.
Bob Dylan sorgt für Gänsehaut
Bob Dylan zeigte sich in Frankfurt als ein Musiker, der sehr behutsam, mit viel Esprit und großer Neugier sein musikalisches Erbe interpretiert. Dass seine Harpeinsätze mitunter arg schräg ausfielen, sein Pianospiel manchmal in die Irre führte, aber wie bei „To Be Alone With You“ einfach nur wunderschön war, und dass er mal vernuschelt und mal pointiert sang, das alles gehört zur außerordentlichen Live-Performance des neben Lennon/MacCartney besten und wichtigsten Songwriters der Rockpop-Geschichte. Seine fast poppige Version von „It’s All Over Now, Baby Blue“ sorgte für Gänsehaut und der Shuffle-Groove bei „When I Paint My Masterpiece“ war unwiderstehlich. Und am Ende ließ man sich gerne von der Anmut eines „Every Grain Of Sand“ verzaubern. Auf dass Dylans superbe Live-Form noch eine paar Jahre halten möge. Bob Dylan bleibt eine der faszinierendsten Figuren im Musikbusiness.
(Beitragsbild-Credit: Karsten Jahnke GmbH)




