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19. September 2025Zwischen Rückblick und Progression: die Black Lips setzen ihre unberechenbare Garage-Odyssee fort
von Ben Kaufmann
Flimmern. In Zeitlupe. Der alte Ikarus sieht aus dem Fenster; ein mächtiger Berg erhebt sich vor ihm. In Gedanken wähnt er sich auf dem Gipfel, seine Arme nach oben gestreckt. Als er das Firmament berührt, reißt es ein und legt sich wie eine riesige Plane über die Erde. Verlorene Seelen warten in einer ewigen Nachtschleife auf die Dämmerung. Animalische Schreie aus tiefster Kehle werden wieder verschluckt. Von einem Plattenspieler ertönt “Be My Baby“; die Nadel läuft von innen nach außen. Es endet mit Hal Blaines legendärem Drum-Intro, das sich in der kollektiven Nostalgie verankert hat. Der junge Ikarus sinkt mit brennenden Flügeln gen Boden. Nach der Landung läuft er rückwärts, legt sich auf den Boden und stirbt.
Black Lips: „Everyone is writing […] so there’s all this added wisdom and experience.“
Seit ihrem von
Sean Lennon produzierten Album “Satan’s Graffiti Or God’s Art?“ (2017) und dem damit verbundenen Besetzungswechsel (Zumi Rosow, Oakley Munson; ein Jahr später Jeff Clarke) haben die Black Lips ihren musikalischen Ausdruck mit jeder weiteren Platte auf erstaunliche Art dilatiert, sind sich aber im (Garage-)Herzen immer treu geblieben. Würde man sich zur Aufgabe machen diese überaus vielseitigen LPs auf ein Schlagwort herunterzubrechen, so wäre ersteres womöglich das Art Punk-Album, “Sing in a World That’s Falling Apart“ die Country-Platte und “Apocalypse Love“ das (Alp)Traumwerk.
“Season Of The Peach“ kommt – im Hinblick auf die frühen Bandjahre, als auch auf die allgemeine Musikgeschichte – wie eine Retrospektive daher; allerdings stets gekleidet in das multiperspektivische Gewand des progressiv ausgerichteten Quintetts. Dass die Lips auch in puncto anal…





