Bernd Begemann: Die Stadt und das Mädchen – Albumreview

Bernd Begemann: Die Stadt und das Mädchen – Albumreview

Von der Muse geküsst

Opulenter als mit dem im Dezember 2015 veröffentlichten Album Eine kurze Liste mit Forderungen konnte es für Bernd Begemann nicht mehr werden. Denn Begemanns Liste war mitnichten eine kurze. Im Gegenteil, sie war natürlich lang. Sehr lang sogar, umfasste ganze 28 Songs, war eine Fundgrube des popmusikalischen Genre-Hopping von Soul über Rock’n’Roll hin zum grazilen Songwriter-Twang.

Zu toppen wäre das alles sowieso nicht mehr gewesen und so reduziert sich der Hamburger Liedermacher auf seinem neuen Album Die Stadt und das Mädchen auf das Allernotwendigste: keine überbordenden Arrangements, keine üppigen Frauenchöre, keine Armada an Gastmusikern, nicht mal eine Band im Rücken. Lediglich Kai Dorenkamp, sonst auch als Keyboarder in Begemanns Backing Band Die Befreiung bekannt, begleitete den 1962 geborenen Songwriter am Piano. Die Stadt und das Mädchen ist ein typischer Liederzyklus geworden, ein Songreigen mit zwölf neu arrangierten Stücken aus der 30-jährigen Karriere Begemanns. Trotz des bekannten Materials strotzt das Album nur so vor Höhepunkten. Allein Kai Dorenkamps exzellentes, facettenreichen und virtuoses Klavierspiel, das zwischen tiefster Romantik und packender Dramatik changiert, sorgt für reichlich Abwechslung.

Bernd Begemann moduliert seine Stimme den reduzierten Arrangements entgegen, so dass jedem klar wird, wie ernst er es mit den Interpretationen seiner eigenen Lieder auf klassische Art meint. Keine ironischen Untertöne sind vom sonst als Entertainer und die große Show liebenden Begemann zu vernehmen, um seine Songs über Krisen, Aufbrüche und Neuanfänge junger Frauen wie „Weg aus dem Tal und nach München“, „Teil der lebendigen Stadtteilkultur“, „Die Nacht vor der Abtreibung“ oder „Was macht Miss Juni im Dezember“  in würdiger Form vorzutragen. Bernd Begemann zeigt mit Die Stadt und das Mädchen, dass die Sprünge zwischen Klassik, Schlager und Pop keine großen sein müssen. Er jedenfalls überwindet sie mit Leichtigkeit, Geschmeidigkeit und großer Eleganz. Bernd Begemann lässt sich eben von jeder wertvollen Muse küssen und inspirieren.

„Die Stadt und das Mädchen“ von Bernd Begemann ist am 19.01.2018 bei Popup Records erschienen (Beitragsbild: Bernd Begemann und Kai Dorenkamp by Andreas Hornoff).

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