Ben Watt: Storm Damage – Albumreview

Ben Watt: Storm Damage – Albumreview

Ben Watt liefert mit „Storm Damage“ ein ziemlich perfektes Songwriter-Album ab

Im heimatlichen Großbritannien platzierten Everything But The Girl ihre Alben und Singles bereits von Beginn an, also seit 1983/84 in den entsprechenden Charts. Weltberühmt geworden ist das britische Duo indes erst 1994 mit ihrem Megahit „Missing“, und zwar durch eine Remix-Fassung der Original-Single. Everything But The Girl, das waren Tracey Thorn und Ben Watt, die nicht nur beruflich, sondern auch privat zueinander fanden. Die private Beziehung existiert immer noch, musikalisch trennte sich das Songwriter-Pop-Duo Mitte der Nuller-Jahre. 2014 veröffentlichte Ben Watt mit „Hendra“ sein zweites Solo-Album – das Debüt „North Marine Drive“ datiert aus dem Jahr 1983 – 2016 folgte „Fever Dream“.

Ben Watt in der Tradition des 70er-Jahre-Songwritings

Ben Watt Storm Damage Cover Caroline International

Sein neues Werk „Storm Damage“ ist geprägt von Trauer und Fassungslosigkeit. Trauer um den Verlust naher Verwandter, Fassungslosigkeit über die politische Entwicklung in seinem Heimatland. Diese frustrierenden Gefühle kleidet Watt in poetisch-persönliche Texte, und auch seine Musik basiert auf der Songwriter-Tradition der 70er-Jahre, von Jackson Browne über Bill Fay bis zu John Lennon. Gitarren sind auf dem Album selten zu vernehmen, den Stamm bilden Piano, Kontrabass und perkussives Schlagwerk. Dazwischen schiebt Watt einige Synthie-Flächen und setzt insgesamt auf eine nachdenkliche, dunkle Atmosphäre. Für „Irene“ hat sich der 1962 geborene Songwriter Alan Sparhawk von Low als Begleiter an die Seite geholt, der ebenfalls zumeist in schaurig-schönen Songwriter-Gefilden komponiert.

Zehn überragende Lieder

Die zehn auf „Storm Damage“ enthaltenen Songs entfalten in ihrer durchgehenden Melancholie eine berührende, gramvolle und doch so tröstliche Wirkung. Es sind zehn überragende Lieder, die jetzt schon zu den schönsten des Jahres zählen. Herausragend das durch Watts kämpferischen Gesang auffallende „Retreat To Find“, das poppig-mitreißende „Figures In The Landscape“, das oben angesprochene, sehr filigrane „Irene“, die barmend-traurigen Balladen „Sunlight Follows The Night“ und „Hand“, sowie der Opener „Balanced On A Wire“, in dem Watt den Zustand des Moments beschreibt, den man laut Ratschlag leben soll, dieser aber einem nur wie eine lange Wartezeit vorkommt. Ziemlich perfektes Songwriting.

„Storm Damage“ von Ben Watt ist am 31.01.2020 bei Caroline International erschienen. (Beitragsbild: Albumcover)

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