Belle and Sebastian: Write About Love

Belle and Sebastian: Write About Love

von Gérard Otremba

Belle

Von dieser Welt war die Musik der schottischen Band Belle and Sebastian noch nie. Seit 1996 mit „Tigermilk“ der erste Longplayer erschien, entführt Stuart Murdoch, Sänger und Kopf der Formation, die Musikfreunde regelmäßig in musikalisch versponnene Traumwelten und entzückt mit filigranen Melodien.

Zeitlos schöne Songs und CD-Meisterwerke

Und davon schüttelte er schon unzählige aus dem Ärmel, man denke nur an Songs wie „The State I Am In“, „Judy And The Dream Of Horses“ und „Lazy Line Painter Jane“. Oder an die Alben-Großtaten „If You’re Feeling Sinister“, „The Boy With The Arab Strab“ und „The Life Persuit By Belle And Sebastian”. Nur um exemplarisch jeweils drei von ihnen zu nennen. Immer charmant, immer romantisch, immer zeitlos schön. Und egal, ob Stuart Murdoch oder Isobel Campbell die Leadvocals sangen, meist hauchten ihre Stimmen die adoleszenz-lyrischen Texte, dass es nur so eine Freude war. Nachdem sich allerdings Isobel Campbell zu Beginn der Nuller-Jahre von der Gruppe getrennt hat, hielten sich die weiblichen Gesänge merklich zurück. Und trotz einiger immer noch fabelhafter Kompositionen in der Post-Campbell-Ära fehlte einem doch irgendwie der weibliche Gesangspart.

Weibliche Leadvocals von Sarah Martin und Carey Martin sowie Norah Jones als Gast

Um so erstaunlicher und sehr willkommen die plötzliche Vermehrung der weiblichen Stimmen. Zweimal trägt Sarah Martin, ein langjähriges Bandmitglied, das sich meistens mit dem Violinenspiel und den baking vocals zufrieden geben musste, den Löwenanteil am Gesang. Sie eröffnet das Album „I Didn’t See It Coming“, einer Ouvertüre mit diversen Rhythmuswechseln, und übernimmt die Leadvocals noch bei „I Can See Your Future“, einem locker beschwingten Popsong, mittels Bläsersätzen mit Hang zu zarter Opulenz. Sarah Martin haucht die Texte nicht ganz im Stile Isobel Campbells, der intime, rührend-kindlich-naive Ausdruck jedoch bleibt. Ein gar zu herzzerreißendes Duett bieten Stuart Murdoch und Gaststar Norah Jones mit „Little Lou, Ugly Jack, Prophet John“. Zwei Schmachtende wundern sich über die Liebe. Mit Carey Mulligan übernimmt dann sogar eine dritte Frauenstimme bei „Write About Love“ den Hauptgesang, ein mitten ins Swinging London zu verortender Song.

Entrückter, aber zu erwartender Schöngeistpop

„Write About Love“, das achte offizielle Studioalbum der Glasgower Band Belle and Sebastian verfügt über den zu erwartenden Schöngeistpop und enthält mit „Calculating Bimbo“ und „The Ghost Of Rockschool“ zwei überaus vorzügliche Stücke, die sich in den Kanon der schönsten Bandsongs nahtlos einreihen. Insgesamt reicht das Album nicht an die oben erwähnten Meisterwerke heran. Dazu sind die Kompositionen von Stuart Murdoch (Gesang, Gitarre, Keyboard), Stevie Jackson (Gitarre, Gesang), Chris Geddes (Keyboard), Richard Colburn (Schlagzeug), Sarah Martin (Violine, Gesang), Mick Cook (Bass, Trompete) und Bob Kildea (Gitarre, Bass) diesmal fast schon zu leicht und entrückt. Aber man hat die Band selbstverständlich immer noch lieb.

„Write About Love“ von Belle and Sebastian ist bei Roughtrade Records erschienen.

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