
Gia Margaret: Good Friend – Song des Tages
19. März 2026
Nubiyan Twist: Chasing Shadows
19. März 2026„Special nights“ in Köln: Belle And Sebastian führen ihre ersten beiden, 30 Jahre alten Alben an zwei Abenden in der Stadthalle auf.
Text von Gérard Otremba, Fotos von Kimberley Böker und Gérard Otremba
Belle And Sebastian spielen mit „Expectations“ erst den zweiten Song ihres 1996 veröffentlichten Debütalbums „Tigermilk“ und schon ist man wieder ihrem Sound verfallen. In der vollen Kölner Stadthalle macht die schottische Band am 17.03.2026 Station auf ihrer Jubiläumstour zu Ehren ihrer ersten Alben „Tigermilk“ und „If You’re Feeling Sinister“, die beide direkt nach Gründung vor 30 Jahren erschienen sind. Von einer „special night“ spricht Sänger Stuart Murdoch, schließlich sei man ja in Köln. Ein besonderer Abend ist es gewiss, egal wo, denn „Tigermilk“ in voller Pracht vom ersten bis zum letzten Song live hören zu dürfen und anschließend mit Highlights aus der nachfolgenden Karriere der Glasgower verwöhnt zu werden, gehört zweifellos zu den magischen Konzertereignissen dieses Jahres.
Die pittoresken Songs von Belle And Sebastian
Großartige Idee von Belle And Sebastian, diese Doppelabende, und sie fahren voll auf. Neun Leute befinden sich auf der Bühne, nebst Bass, Schlagzeug, Keyboards und Gitarren, kommen auch Geige, Flöte, Cello, Trompete, Piano, Melodica, Harmonica und Percussion zum Einsatz, um den alten Songs gerecht zu werden. Die aus Köln und Umgebung sowie auf Anfrage Murdochs aus Schweden, USA, Brasilien, Kanada und vielleicht noch anderen Staaten (für Murdoch sei dieses Ergebnis genau das, wofür die Band stünde: „united nation, not international agression“) angereisten Fans sind begeistert von der dynamischen und doch immer auch filigranen Darbietung von Belle And Sebastian, begeistert von „You’re Just A Baby“, von „I Could Be Dreaming“ („trust good dreams“ ermunterte Murdoch die Fans) und „My Wandering Days“ (laut Murdoch der erste für Belle And Sebastian geschrieben Song überhaupt), einer dieser urtypischen und pittoresken Indie-Pop-Songs dieser fabelhaften Formation.
Zweiter Teil des Abends
Egal, welches Indie-Pop-Sub-Genre man für diese Musik wählt, ob Twee-Pop, Baroque-Pop, Jangle-Pop, Folk-Pop oder Chamber-Pop: Belle And Sebastian sind Meister der feinsinnigen, zum Träumen einladenden Melodie. Und sie denken an alles. Nach der „Tigermilk“-Aufführung verlässt die Band die Bühne und ein Abspann-Film mit dem Dank an alle damals Beteiligten verkürzt die kurze Pause, bevor der zweite Teil des Abends mit „Nobody’s Empire“ aus „Girls In Peacetime Wants To Dance“ beginnt und man kann das Lied dann getrost als politisches Statement in kriegerischen Zeiten betrachten. Sarah Martin singt das euphorische „Give A Little Time“ (aus dem von Sounds & Books rezensierten „Late Developers“), Stevie Jackson die wunderschöne Ballade „Seymour Stein“, „If She Wants Me“ sowie „Lord Anthony“ (Stuart Murdoch mischt sich singend unter die Fans) folgen.
Fans tanzen mit Belle And Sebastian auf der Bühne
Und bei „The Boy With The Arab Strap“ und „Dear Catastrophe Waitress“ tanzen knapp 20 Fans auf der Bühne. Partytime, ausgelassene Stimmung, strahlende Gesichter und eine paar Tränchen der Freunde bei mir, der 1998 auf die Band aufmerksam wurde und die Musik von Belle And Sebastian sofort in sein Herz geschlossen hat, ob der Tatsache, an diesem besonderen Abend dabei sein zu dürfen. Nach über 100 Minuten kommen sie nochmal zurück, die Fans dürfen sich eine Zugabe wünschen, die Wahl fällt schließlich auf das großartige „Dirty Dream Number Two“ und weil ja in Köln der Verkehrsverbund streikt (Stuart Murdoch stellt sich demonstrativ hinter die Streikenden) und die Fans eh nirgends wohin könnten, spielen Belle And Sebastian mit „Piazza, New York Catcher“ prompt noch einen Song. Immerhin, die S-Bahnen sind in Betrieb, die Fans kommen nach Hause, ich denke, alle glückselig.
Music For Your Heart als Support
Ähnliches am 18.03.2026, am zweiten Abend der Jubiläumstour. Beide Konzerte werden von Music For Your Heart eingeleitet, dem Musikprojekt von Sandra Zettpunkt. Die in Hamburg und Bern lebende Musikerin und Journalistin (u.a. Moderatorin bei ByteFM mit der eigenen Sendung „Golden Glades“) lässt sich von keinem Geringeren als Raymond McGinley von Teenage Fanclub an der Gitarre begleiten und spielt nach gut 18 Jahren Pause entspannte, sehr schöne und dem Projektnamen angemessene Indie-Songs. Auch am zweiten Abend läuft vor dem Konzertbeginn noch ein kleiner Film aus der B&S-Frühphase, bevor sich die Gruppe in das Album „If You’re Feeling Sinister“ vertieft, meines Erachtens die noch etwas bessere Platte im Vergleich zu „Tigermilk“.
Die Melodien noch herzallerliebster, Songs wie „Seeing Other People“ (das aufgrund von technischen Problemen an Stevie Jacksons Gitarrensound abgebrochen und neu angesetzt werden muss), „Like Dylan In The Movies“, The Fox In The Snow“, „Get Me Away From Here, I’m Dying“, der Titeltrack und natürlich „Judy And The Dream Of Horses“ sind Legende und haben auch nach 30 Jahren nichts von ihrer Anziehungskraft verloren. Live nach so langer Zeit schlicht ein Gedicht.
Belle & Sebastian spielen „Lazy Line Painter Jane“
Und wenn sich eine Band nach einem Buch benennt und auch noch so klingt, also ob die Mitglieder ihre Köpfe ständig in poetische Bücher stecken, dann ist sie bei Sounds & Books bestens aufgehoben. Ja, mit „If You’re Feeling Sinister“ haben Belle And Sebastian eines der poetischsten Indie-Pop-Alben aller Zeiten aufgenommen. Ein ganz großer Genuss, dieses Album live in voller Länge hören zu dürfen. Der zweite Teil des Abends ist geprägt von zwei der besten Songs von Belle & Sebastian. „Lazy Line Painter Jane“ und „The Boy With The Arab Strap“ liefern sich seit vielen, vielen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen um meinen B&S-Lieblingssong, in der Kölner Stadthalle spielt die Band die Songs hintereinander, für mich mithin das Höchste der Belle & Sebastian-Gefühle.
Zum Schluss noch „I Didn’t See It Coming“ und als Zugabe, passend zum Kölner Wetter tagsüber, „Another Sunny Day“. Und wieder sind fast zwei kaum zu toppende Stunden vorbei. Oder doch zu toppen? Vielleicht mit der Aufführung des Albums „The Boy With The Arab Strap“ zum runden Geburtstag in zwei Jahren. Aber dann bitte in Hamburg.























































