Badly Drawn Boy: It´s What I´m Thinking Pt.1

Badly Drawn Boy: It´s What I´m Thinking Pt.1

von Gérard Otremba

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Er ist schon ein knuffiger Kerl, dieser Badly Drawn Boy, der auf den bürgerlichen Namen Damon Gough hört. Und leider hat man bereits vier Jahre lang (von einem Soundtrack zum letztjährigen Film „The Fattest Man In Britain“ mal abgesehen) nichts mehr von ihm gehört. Doch die Arbeit am besagten Soundtrack hat Mr. Gough dermaßen inspiriert, dass er gleich eine Alben-Trilogie aufnahm. „Photographing Snowflakes“ heißt nun der erste Teil seiner „It’s What I’m Thinking“ betitelten Trilogie. Es ist das fünfte reguläre Studioalbum von Badly Drawn Boy und zeigt den Komponisten von einer introvertierten und nachdenklichen Seite.

Badly Drawn Boys Musik besticht durch intime Atmosphäre

Der große Pop seiner letzten CD „Born In The UK“, einer launigen Springsteen-Hommage- und Verbeugung, ja für seine Verhältnisse geradezu pompöse und opulent-pathetisch instrumentierte Songansammlung, ist praktisch nicht mehr wiederzufinden. Eine behutsame akustische Gitarre schleicht sich im Eröffnungssong „In Safe Hands“ ganz langsam in den Vordergrund, zart und schwebend erhebt sich Doughs Stimme und entführt den Hörer in eine sanfte, soeben erwachende Traumwelt. Ein absolut exemplarischer Song für dieses Werk, denn schon hier beginnt Badly Drawn Boys (Wieder-) Entdeckung der Langsamkeit, die sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Die Instrumente, egal ob Gitarre oder Schlagzeug, werden auf das Notwendigste reduziert, impressionistische Klangtupfer wie im Vorübergehen gesetzt.

Der Monet der Popmusik

Und wenn Bob Dylan von seinem Biographen Paul Williams gerne als „Picasso der Rockmusik“ tituliert wird, so entwickelt sich Badly Drawn Boy immer mehr zum Monet der Popmusik. Sicherlich nicht ganz einfach, Schneeflocken zu photographieren, doch Damon Gough fängt diese Augenblicke in magischer Poesie ein. Die lyrischen Themen heißen Trennung, Erinnerung, Hoffnung, Neuanfang. So ganz kann er natürlich vom großen Pop nicht lassen. „Too Many Miracles“ bezirzt durch geballte Streicher, die Rhythmusgruppe groovt lässig und beschwingt, die Füße wippen zum Takt, eine lockere Fröhlichkeit durchzieht den Song, der Anlass zu großen Hoffnungen hegt: „Are You Ready To Be In Love Again? I’m Ready To Be In Love“. Dieser Song macht schlechte Laune sofort zunichte. Auch bei „I Saw You Walk Away“ läßt Badly Drawn Boy seine Musiker noch relativ von der Leine und in „This Electric“ rücken zu den Streichern auch mal Samples in den Vordergrund. Die restlichen Songs verharren im zeitlichen Stillstand und strahlen unendlich viel Wärme aus. Fast schon entrückt und zu gut für diese Welt. Eine wunderbare Platte zum Träumen, sich Fallenlassen, die Stunden genießen, sich dem Müßiggang hingeben, zu Hause einkuscheln. Der nächste Winter kann kommen

Badly Drawn Boy: „It’s What I’m Thinking Pt1 – Photographing Snowflakes“ ist bei Twisted Nerve/Edel erschienen.

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