Die Zusammenarbeit der Avett Brothers mit Ex-Faith-No-More-Sänger Mike Patton bietet die erwartete Überraschung – und klingt gleichzeitig unerwartet selbstverständlich
von Sebastian Meißner
Die Kombination aus Mike Patton und den Brüdern Seth und Scott Avett wirkt nur auf den ersten Blick ungewohnt. Beim genaueren Hinhören jedoch entsteht das Bild einer Kooperation, die im Rückblick fast selbstverständlich erscheint: Pattons Hang zum Unerwarteten trifft auf den offenen, neugierigen Americana-Ton der Avett Brothers. Aus dem langsamen Austausch erster Songideen wuchs ein Album mit neun Stücken, auf dem beide Seiten deutlich hörbar, aber nie gegeneinander arbeiten. „AVTT/PTTN“ klingt wie das Resultat einer Freundschaft, in der Respekt, Experimentierfreude und gegenseitige Einflussnahme seit Jahren gereift sind.
Entstehung und ästhetischer Rahmen
Scott Avetts Hinweis, Patton sei
„Teil unserer DNA“, da Patton Musik die beiden Brüder schon immer beeinflusst habe, er gar einer ihrer absoluten Helden gewesen sei, lässt sich in vielen Passagen des Albums nachvollziehen. Die Avett Brothers greifen vertraute akustische Muster auf, die Patton wiederum leicht verschiebt, bricht oder mit vokaler Theatralik kontrastiert. Umgekehrt wird Pattons expressive Handschrift durch die organische, fast rustikale Klanggebung der Avetts geerdet. Das führt zu einem ästhetischen Rahmen, in dem die Stücke nicht als Nebeneinander zweier Welten wirken, sondern als gemeinsames neues Terrain – ein Klangraum zwischen Indie-Folk, Alternative-Rock und Pattons charakteristischer Experimentierfreude.
Songwriting und stilistische Schwerpunkte
Der Opener „Dark Night Of My Soul“ setzt den Ton: gedämpfte Gitarren, konzentrierter Harmoniegesang und Pattons Stimme, die punktuell dramaturgische Akzente setzt. „To Be Known“ bewegt sich stärker in Richtung klassischer Avett-…
