Arne Dahl: Gier

Arne Dahl: Gier

Arne Dahls perfekter Krimi-Kommentar zum globalisierten Kapitalismus

von Gérard Otremba

So wird ein moderner politischer Thriller geschrieben. So, und nicht anders. Wer noch immer nicht begriffen hat, wie die kapitalistische Welt in Zeiten der Globalisierung funktioniert, der wird durch Arne Dahl aufgeklärt. Seine Krimis über die Stockholmer Sonderermittler der A-Gruppe gehörten zum Besten, was in den letzten Jahren in Sachen Spannungsliteratur aus Skandinavien zu uns herüber schwappte. Nach neun Bänden hat Arne Dahl die A-Gruppe zwar aufgelöst, aber fast alle bekannten Figuren findet der Leser in seinem neuen Roman wieder. In „Gier“ wendet sich Dahl endgültig dem internationalen Verbrechen zu und erfindet eine neue Ermittlungseinheit, die sogenannte Opcop (Overt Police Cooperation)-Gruppe, ein bis dato geheimes, zu Europol gehörendes und aus Den Haag operierendes Team, unter der Leitung von Paul Hjelm. Zu seinen Mitarbeitern gehören unter anderem wieder Arto Söderstedt sowie diverse Kommissare aus Deutschland, Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich, England, Rumänien, Polen und Litauen.

Aus der bisher bekannten Dahl-Crew sind aber auch Kerstin Holm, Sara Svenhagen, Jorge Chavez und Jon Anderson wieder involviert. Aufzuklären sind zwei Todesfälle, die sich während eines G20-Gipfels in London ereignen. Zunächst ohne ersichtlichen Zusammenhang, werden beide Mordfälle durch konzentrierte und effiziente Ermittlungsarbeit in den richtigen Kontext gesetzt. Die Spuren führen zu einer schwedischen Möbelfirma, einem amerikanischen Geldinstitut und der italienischen Mafia. Unternehmen, Bank, Mafia. Geld, Geld, Geld. Welche scheinbar grotesken, aber doch so naheliegenden Auswüchse in Zeiten der abgewirtschafteten und verschuldeten Länder die Gier nach dem Zaster annimmt, kann man in Arne Dahls großartigen Thriller nachlesen. Dahl entwirft ein Schreckensszenario, das, sollte der Turbokapitalismus nicht schnellstens zu Räson gebracht werden, unmittelbar bevorsteht, bzw. längst im Gange ist. Und dann kann man nur hoffen, dass Europol längst schon eine so fähige Opcop-Gruppe in der Hinterhand hat, wie sie in Arne Dahls „Gier“ schon operiert. Definitiv ein „Besser-geht’s-nicht“-Krimi.

Arne Dahl: Gier, Piper-Verlag, Klappenbroschur, 978-3-492-05305-1, 16,99 €

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