Arlo Parks: Collapsed In Sunbeams

Arlo Parks: Collapsed In Sunbeams

Starkes Debütalbum der jungen Londoner Songwriterin Arlo Parks

Wenn ab diesem Freitag das erste Album der noch zwanzigjährigen Arlo Parks aus London zur Verfügung steht, werden die Streams für ein Debüt erstaunlich hoch ausfallen – warten doch schon etliche, an Social Media geschulte und in der Regel junge Menschen auf diese Klänge, welche im Vorfeld häufig mit einer wohligen Decke verglichen wurden, die sich schützend um einen schmeichelt. Mehrere Singles bereiteten seit 2018 vor auf diesen Moment, der „Super Sad Generation“ (Titel von 2019) eine größere Songsammlung zu schenken, in der diese gesehen und verstanden wird von einer der ihren. Verantwortlich für diese beim Hören empfundene Wertschätzung ist die ungemein warme wie anschmiegsame Stimme der als Anaïs Oluwatoyin Estelle Marinho geborenen Parks ebenso wie der smoothe Soundteppich, der eigenständig Indie-Songwritertum sowie britischen, leicht souligen Jazzpop amalgamiert.

Arlo Parks behandelt ihre Sujets empathisch und weise

Arlo Parks Collapsed In Sunbeams Cover Transgressive Records

Entstanden ist die aktuelle Songsammlung zu Hause oder in einer dafür angemieteten Wohnung und nicht in einem Studio – diese Intimität beim Erschaffen kann man spüren, so wie sich alles um die anscheinend „kleinen“ Dinge dreht, auf die man zurückgeworfen werden kann, wenn alles Große nicht mehr zu Fassen sein scheint. Alltägliche Dinge, auf die mit solchem Blick im Pop viel zu selten geschaut wird. „Black Dog“ z.B. (ganz und gar nicht verwandt mit dem gleichnamigen Stück von Led Zeppelin) beschreibt Depression aus der Sicht von Freunden, „Green Eyes“ wirft aus ebendieser einen Blick auf einen geliebten Menschen, der diese Akzeptanz nicht genug von den Eltern erfuhr.

Einmal beobachtet Parks ein streitendes Paar an der Bushaltestelle („Caroline“); in „Eugene“ muss sie selber verletzt zusehen, wie die geliebte Person gemeinsame Inhalte mit dem falschen Menschen teilt. „You’re Not Alone“ singt sie im gleichfalls Depressionen behandelnden „Hope“ und straft sich mit der Zeile „I cannot communicate the depth of the feeling“ fast schon selber Lügen, so empathisch und weise, wie sie ihre Sujets behandelt.

Ein wunderbares Album einer großen Künstlerin

Musikalisch ist das nie aufdringlich: ein feiner, kleiner Gitarrenlauf hier; ein bisschen gedoppelte Stimme in diesem Refrain, ein zweckdienlich-zurückgenommener, aber nie öder Rhythmus dort. Arlo Parks kommt vom Poetry Slam, ihre Texte sind punktgenau daran geschult. Deswegen wohnen wir hier aber keiner Lesung bei. Text und Musik sind eins, sind genau diese Decke, die uns hilft mit unseren Sorgen klar zu kommen, ohne sie zu verdrängen oder kleinzureden. Und am Ende offenbart sich, dass Parks auch rappen kann, wenn sie das möchte. Ein wunderbares Album von einer großen Künstlerin, deren weitere Entwicklung Großes verspricht. Welch ein Glück, dies mitverfolgen zu dürfen.

„Collapsed In Sunbeams“ von Arlo Parks erscheint am 29.01.2021 bei Transgressive Records / PIAS. (Beitragsbild von Jack Bridgeland)

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