Apifera: Keep The Outside Open

Apifera by Shalev Ariel

Aus Israel stammen Apifera – ein virtuoses Quartett, das sich nicht auf sein Jazz-Fundament begrenzen lässt. Auch das zweite Studioalbum wildert in diversen Genres.

von Werner Herpell

Als das stets spannende Label Stones Throw vor vier Jahren seinen Neuzugang Apifera und dessen instrumentales Debütalbum „Overstand“ ankündigte, klang eine Menge Stolz durch: „Their influences range from the folk music of their home country Israel, to Impressionist composers Ravel and Satie, traditional music from Sudan and Ghana, and the transcendental jazz of Sun Ra“, so wurde der Stilmix des Quartetts seinerzeit beschrieben. Und es sind seither nicht weniger Einflüsse geworden, aus denen Nitai Hershkovits, Yuvi Havkin aka Rejoicer (beide Keyboards), Yonatan Albalak (Bass) und Amir Bresler (Schlagzeug) die faszinierenden Crossover-Sounds ihres Zweitlings „Keep The Outside Open“ basteln.

Mit Gesang zum Avangarde-Pop und Prog

Apifera Keep The Outside Open Albumcover

Als da wären: Psychedelia

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(im Opener „Iris Is Neil“), Jazz-Funk (im cool groovenden „SandBox Galore“ oder in „Bazooka Zoo“), Ambient und Post-Rock (beispielsweise „Ortogonelya“ oder „The Curious Wild“, das an Tortoise oder The Notwist erinnert). „Der Effekt ist, als würde man zwischen verschiedenen Radiosendern hin- und herschalten“, schreibt Stones Throw nun über die Musik von Apifera. Neu ist, dass es jetzt des öfteren Gesang gibt, der das Spektrum um Avantgarde-Pop und Prog erweitert – etwa im leicht verkifften „Lucky Zoe“ oder in „Evergreen Meadows“, die auch auf einer späten Beatles-Platte hätte auftauchen können.

Die Grundlage bleibt jedoch ein in alle möglichen Richtungen offener Jazz. Dass dieses Genre die eigentliche Heimat von Apifera ist, zeigt der Track „I Love ECM“ mit seiner Verbeugung vor einem der weltbesten Jazz-Labels schon im Titel. Von Pianist Hershkovits erschien voriges Jahr auch ein Soloalbum auf ECM, mit dem bekanntesten israelischen Trompeter und ECM-Künstler Avishai Cohen (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bassisten) spielen Apifera auf dem sphärischen Closer „Sera Sam“ zusammen.

Apifera setzen auf die Kraft der Musik

Dass diese Band aus Israel stammt, sollte eigentlich keine Rolle spielen – Apifera machen es allerdings selbst zum Thema. Angesichts von Gewalt und Krieg in ihrer Heimat teilte das Quartett mit: „We do not support violence of any kind and can’t fathom how the world today could choose anything other than peace, but until such a time comes when humanity can transcend boundaries and conflicts, we are dedicated to spreading love and light through the unifying power of music.“ Wenn schon kein Frieden, dann wenigstens Liebe und Licht und die einigende Kraft der Musik – man kann es nur unterschreiben. Starke Platte, tolle Band.

Das Album „Keep The Outside Open“ von Apifera erscheint am 21.06.2024 bei Stones Throw. (Beitragsbild von Ariel Shalev)

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