„Lonely Motherfucker“ von Anna Wydra ist eine freche Klangreise von poppigen Vibes über Tarantino-Atmosphäre bis zu Songs, die berühren und umarmen. Eigenwillig, charmant und überraschend.
von Mia Lada-Klein
Am 14.11. erscheint Anna Wydras nach „The Absurdity Of Being“ (2021) zweites Studioalbum „Lonely Motherfucker“. Und es zeigt, dass Anna Wydra sich nicht in Schubladen stecken lässt. Soundtechnisch pendelt sie irgendwo zwischen Indie und Pop, mit leichtem Drive ins Experimentelle. Das Opening „Red Light“ legt los und zwar mit einem leicht poppigen Gute-Laune-Vibe, der ein bisschen an vergangene Frühlingsnachmittage erinnert. Es macht Laune, überrascht aber nicht völlig. Stimmlich liefert Wydra solides Mittelmaß, eher charmant als umwerfend.
Der titelgebende Track „Lonely Motherfucker“ überrascht mit einem leichten Tarantino-Django-Feeling. Ein Hauch von Prärie, eine Geige, ein bisschen Wildwest-Attitüde, das Special des Songs ist eindeutig vorhanden. Der Song bleibt im Ohr, ohne dabei aber ein echter Chartstürmer zu sein. „My Adderall“ bringt im Vergleich etwas mehr Aggressivität und spielt mit dezenten Elektro-Spritzern.
Anna Wydra und ihre ruhigen Momente mit Tiefe
Wer auf leisere Töne steht, wird bei „Special One“ und „The Idea Of Us“ fündig. Letzterer besticht durch ein schönes Klavierarrangement. Hier zeigt sich tatsächlich erstmals die Vielseitigkeit des Albums, die nach und nach immer stärker wird. Man merkt, wie Anna Wydra von poppigen Momenten zu experimentelleren Klangwelten führt. „Sick Surrounding“ setzt noch einen drauf: Reduzierter Gesang, Elektro-Elemente und Hall-Effekte sorgen für fast schon extravagante Momente. Das Album macht eine spürbare Entwicklung durch, vom leichtfüßigen Pop zu Musik, die weniger charttauglich, aber vielschichtig und eigenständig ist.
Zärtliche Überraschungen
Mit „An Act Of Romance“ zeigt Wydra schließlich, dass sie intime Momente meisterhaft einfangen kann. Der Song wirkt entspannt, fast experimentell, und überzeugt durch warme Klavierpassagen und gezupfte Gitarren. Die Lyrics erzählen von Nähe, geteilten Momenten und einem stillen Genießen ohne Erwartungen oder Druck.
Fazit: „Lonely Motherfucker“ ist kein typisches Popalbum, kein schnelles Hitfeuerwerk, sondern ein spannender Weg durch verschiedene Klangwelten. Die erste Hälfte überzeugt mit eingängigen Passagen, die zweite Hälfte überrascht durch Experimentierfreude und emotionale Tiefe. Anna Wydra zeigt, dass sie sich weiterentwickelt und sich traut, anders zu sein. Wer bereit ist, sich auf diese Mischung aus Indie, Pop und warmen, persönlichen Momenten einzulassen, wird hier wirklich belohnt.
„Lonely Motherfucker“ von Anna Wydra erscheint am 14. November 2025 via La Pochette Surprise Records. (Beitragsbild von Hannes Wolf)
