Anna Ternheim: For The Young – Album Review

Anna Ternheim: For The Young – Album Review

Schmerzvoll, schwermütig, tröstlich und unfassbar schön

von Gérard Otremba

Es gibt diese zwei Ausnahmen auf For The Young von Anna Ternheim. Zwei, oder vielleicht auch nur anderthalb Abweichungen des sonst typisch schmerzlich-sinisteren Charakters von Anna Ternheims neuen Albums. Wie der Titel es bereits verspricht, ist „Still A Beautiful Day“ ein sich spätestens im Refrain öffnender, sonniger Popmoment des fünften Longplayers der schwedischen Songwriterin. Die melancholischen Grundzüge des Albums sind auch diesem Stück nicht abzusprechen, aber ähnlich wie später im Indie-Songwriter-Pop von „Only Those Who Love“ wendet sich „Still A Beautiful Day“ dem Licht zu, während die anderen Tracks auf For The Young die bekannte Schwermut Anna Ternheims offenlegen. Ja, sogar Gitarren-Soli sind hier erlaubt. Und eine vergleichsweise opulent arrangierte Produktion.

Höchst dramatisch, dunkel und undurchschaubar beginnt For The Young mit „Hours“, von dem eine gewisse Gefahr und etwas Gehetztes ausgeht. „Still A Beautiful Day“ dann der große Popentwurf, bevor der pianobetonte und sehr langsame Titelsong in Trauer und Einsamkeit versinkt. Streicher und eine verloren wirkende Gitarre unterstreichen den Schmerz. Ähnlich intensiv, wehmütig und sanft schwebend, erklingt „Caroline“, von grenzenloser Schönheit umhüllt. Als reduzierte, sehnsüchtige Folk-Pop-Ballade entpuppt sich „Walk Right In“, während die vermeintlich nordische Kälte in „Lonely One“ ungemein tröstlich wirkt. Ternheims Stimme steht bei allen Songs im Vordergrund und wenn sie in „Keep Me In The Dark“ „I could love you like no one has“ singt, weiß man genau, dass diese Liebe unerwidert, zum Scheitern verurteilt und die Dunkelheit der einzige Ausweg bleibt, die trauernden Streicher als passende Begleitung.

Hoffnungsschimmer dann in „Only Those Who Love“, allein die Trauer hält anschließend mit „Don’t Leave“ wieder Einzug, und Vorsicht, die Streicher reißen einem hier schier das Herz aus dem Leib heraus. „I feel the pain on my skin“, barmt Anna Ternheim in „Just As Friends“, die Verletzungen mit jeder Note spürbar machend. „Everyone’s Waiting“ ist die größtmögliche, unerfüllbare Sehnsucht und „Show Me The Meaning Of Being Lonely“ (im Original von den Backstreet Boys!!!) nochmal der große Schmerz, die große Einsamkeit, der große Verlust, das große Leid. Für alle gebrochenen Herzen da draußen: For The Young ist euer Trost, das ist die Belohnung für das Weitermachen. Und wer könnte das alles besser sublimieren als Anna Ternheim? Ein fabelhaftes Album.

„For The Young“ von Anna Ternheim ist am 29.01.2016 bei Universal erschienen.

 

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