Andreas Maier: Die Städte – Roman

Andreas Maier: Die Städte – Roman

Anders Reisen mit Andreas Maier: Im achten Band seiner “Ortsumgehung” erinnert sich der in Hamburg lebende Schriftsteller Andreas Maier an frühere Reisen

Und so schnell geht das. Kaum sind knapp mehr als zehn Jahre vergangen, findet man sich bereits mit dem achten Band von Andreas Maiers „Ortsumgehung“ in den Händen wieder. Im September 2010 begann der in 1967 Bad Nauheim geborene und in Friedberg aufgewachsene Schriftsteller mit „Das Zimmer“ sein spektakuläres literarisches Großprojekt. Elf Bücher seiner autofiktionalen Reihe über das Leben in der hessischen Wetterau hat Andreas Maier geplant, das Ende naht also leider. Doch wird die Maier-Ortsumgehung-Sucht mit „Die Städte“ einmal mehr vollauf befriedigt. Von Band zu Band erweiterte Maier die Perspektive, verließ das Zimmer. Betrachtete „Das Haus“, ging in „Die Straße“, machte mit „Der Ort“ weiter, auf den „Der Kreis“, „Die Universität“ sowie „Die Familie“ folgten.

Maiers Alter Ego, der Ich-Erzähler Andreas Maier

Andreas Maier Die Städte Buchcover Suhrkamp Varlag

Sehr weit hat sich Maier in diesen vorangegangenen sieben Bänden seiner Wetterau-Serie von ebendort noch nicht wegbewegt. In „Die Universität“ (2018) fasste Maiers Alter Ego den Entschluss, nach Meran zu reisen. Bis in das 35 Kilometer von Friedberg entfernte Frankfurt ist er immerhin gekommen. In „Die Städte“ stellt Maier nun das Reisen in den Fokus seiner „Ortsumgehung“. Ein handelsüblicher Reiseroman ist „Die Städte“ allerdings nicht geworden. Denn mit dem Reisen möchte sich Ich-Erzähler Andreas schon als Kind nicht wirklich anfreunden. Familiäre Urlaubsreisen mit dem Auto in den Süden tragen ihr Scherflein dazu bei. Diese begannen immer mitten in der Nacht, um so schnell wie möglich Nürnberg zu passieren. Hilft aber auch nicht wirklich, wenn es nach Brixen geht und das „Brennerritual“ folgt: „Es besteht darin, daß wir uns vor dem Brenner in eine gigantische Schlange wartender Autos einreihen, die über den Brenner wollen. Je eher wir in Nürnberg gewesen sind, desto weniger gigantisch ist die Schlange, aber sie ist doch jedesmal fast unendlich.“ Stauschlangen können einem das Reisen schon mal vermiesen, auch als Asterix-lesendes Kind, an das Maier sich erinnert.

Der Humor

Weitere Reisen verliefen nicht unbedingt glücklicher ab. Ein letzter Urlaub mit den Eltern als Teenager in Athen, der Ouzo schmeckte zwar, eine gewisse Weltverdrossenheit schlug sich indes bereits Bahn, die später im italienischen Oulx zu Selbstmordgedanken führt. Eine von Maier in einem herrlich selbstironischen Ton erzählte Episode. Die humoristisch-skurrile Seite Maiers kommt in „Die Städte“ noch wesentlich stärker zum Tragen als in den Bänden zuvor. Mit einem Kumpel nach Biarritz trampen und die Bangkok-Fotos seiner Bekannten Astrid bewundern sollen sowie eine Lesereise nach Weimar sind weitere Romanstationen, die Maier aus verschiedenen Gründen an der Sinnhaftigkeit des allgemeinen und spezifischen Reisens zweifeln lassen.

Maiers feinsinnige, im Fluß befindliche Sprache

Obwohl Andreas Maier auch diesmal wieder thematisch verblüfft und sich erneut als detaillierter Beobachter auszeichnet, bleibt doch seine feinsinnige, stets im Fluß befindliche Sprache das dauerhafte Faustpfand seiner Romane. Zudem schreibt Maier erfreulicherweise immer noch nach der formvollendeten alten, und wohl einzig wahren, Rechtschreibung. Allein dies ein vortrefflicher Genuß, der zeigt, wie sehr diverse Reformen und Reförmchen der deutschen Sprache in den letzten Jahren geschadet haben. Deutschsprachige Literatur kann so erquicklich sein. Einfach nur mal Andreas Maiers Romane der „Ortsumgehung“ lesen.

Andreas Maier: „Die Städte“, Suhrkamp, Hardcover, 190 Seiten, 978-3-518-42993-8, 22 Euro.

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