André Kubiczek: Straße der Jugend

André Kubiczek: Straße der Jugend

Nicht minder heiter-unterhaltsame Fortsetzung des für den Deutschen Buchpreis nominierten Romans „Skizze eines Sommers“ von André Kubiczek

Mit „Straße der Jugend“  setzt  André Kubiczek die Geschichte des inhaltlichen, und von uns an dieser Stelle besprochenen Vorgängers „Skizze eines Sommers“, mit dem er 2016 für die Shortlist des Deutschen Buchpreises nominiert war, direkt fort. Seinen federleichten, heiter-melancholischen Erzählton, der „wie der schönste perlende Sound der Go-Betweens“ klingt, hat sich der 1969 in Potsdam geborene Schriftsteller bewahrt. Erneut lässt Kubiczek seinen 16-jährigen Helden René aus dessen Leben berichten.

René im Internat in Halle

André Kubiczek Straße der Jugend Cover Rowohlt Berlin

Die  unbeschwerte Zeit der Sommerferien 1985 in Potsdam mit sturmfreier Bude, genug Geld in der Tasche, Cognac Napoléon aus Vaters Vorräten plündern, Baudelaire lesen, sich der Melancholie hingeben und der Liebeswirren ist vorbei. René muss sich von seiner Liebsten Victoria verabschieden, um die nächsten zwei Jahre im Internat der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) in Halle an der Saale eine Vorbereitungszeit mit Abitur auf sein Studienfach Organisation der materiell-technischen Basis zu absolvieren. Die Kindheit hat René endgültig hinter sich gelassen. Seine nun beginnende Straße der Jugend hält für ihn den ersten Sex, neue Freunde an der ABF, andere Literatur, neue Musikhörgewohnheiten, aber auch die Umgewöhnung an eine neue Stadt und die erste Trennung bereit. Während Renés Beziehung zu Victoria in die Brüche geht, hat sein verwitweter Vater heimlich eine Liaison mit Victorias Mutter angefangen. Was die nun neuen Familienverhältnisse verkompliziert.

André Kubiczek begleitet seinen Helden René auf der Straße der Jugend

Seine Hassliebe zu Halle – den wenigen schönen Seiten an der Wilden Saale steht „das Panorama aus Beton, Asphalt, Stahl und dem kalten Licht“ gegenüber – schlägt indes in eine positive Stimmung um, als er erfährt, dass seine seelenverwandte Freundin Rebecca möglicherweise doch demnächst die dortige Kunsthochschule besuchen wird. Und es wartet noch die Herausgabe der 1. Auflage der revolutionären Literatur- und Kunstzeitschrift Lef 2 sowie die Musik mit der neugegründeten Dark-Psychedelic-Slow-Rock Band Dead Deer Rampage auf Kubiczeks Protagonisten. Langweilig wird es René jedenfalls nicht. Genauso wenig wie den Lesern, die den Weg des schüchtern-melancholischen und selbstironischen Helden genüßlich begleiten. Alles hier schreit nach einem dritten René-Band von André Kubiczek, der sowohl „Skizze eines Sommers“ als auch „Straße der Jugend“ perfekt durchkomponiert hat.

André Kubiczek: „Straße der Jugend“, Rowohlt Berlin, Hardcover, 400 Seiten, 978-3-7371-0025-0, 22 Euro. (Beitragsbild: André Kubiczek von Gérard Otremba)

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