Altin Gün live in Hamburg 2021 – Konzertreview

Altin Gün live in Hamburg 2021 – Konzertreview

Die niederländische Formation Altin Gün weiß bei ihrem ausverkauften Auftritt im Hamburger Mojo Club am 23.11.2021 zu gefallen

Die Psychedelic-Pop-Band Altin Gün aus Amsterdam ist definitiv ein Publikums-Magnet: Auch in diesen unsicheren Zeiten ist der Mojo Club unter der Reeperbahn ausverkauft! Ursprünglich trug ihre Musik deutliche Spuren türkischer Psychedelic-Funk-Aufnahmen aus den 1970er-Jahren. Aber schon beim letzten Hamburg-Gastspiel war die Entwicklung weg vom Psych-Folk und hin zum Pop mehr als offensichtlich.

Das aktuelle Album „Yol“ von Altin Gün erschien im Februar 2021 auf dem Label Glitterbeat Records. Bereits die Vorabsingle „Yüce Dağ Başında“ brachte deutliche Synth-Disco-Einflüsse zum Vorschein. Und auch die 2020er Single „Ordunun Dereleri“ glänzte mit Reminiszenzen an Dub, Disco, Synthpop und Funk – und hat mehr denn je auf die Tanzfläche eingeladen.

Altin Gün nähern sich Khruangbin

Ein wenig schade ist es schon für Fans der ersten Stunde, denn die Niederländer hatten anfangs mehr Profil und Eigenständigkeit – die psychedelische Note war stärker ausgeprägt und auch die traditionellen türkischen Spurenelemente. Nun sind sie nah dran an Acts wie Khruangbin oder sogar Daft Punk. Ist okay, aber der Sound verwässert ein wenig und tendiert hin zum migrantisch geprägten Mainstream. Und auch live entwickelt das Sextett nicht mehr die Wucht, die es einst hatte.

Bassist Jasper Verhulst hatte Altin Gün übrigens ursprünglich per Inserat gecastet: Erdinc Yildiz Ecevit (Saz, Keyboard, Gesang), Sängerin Merve Dasdemir, Gino Groeneveld (Percussion), Ben Rider (Gitarre) und Nic Mauskovic (Schlagzeug) kommen aber als echte Band rüber und die große Besetzung samt vielfältiger Instrumentierung weiß live dennoch zu gefallen. Die psychedelisch-sparsame Lichtshow sorgt zusätzlich für Atmosphäre. Und das Publikum ist gut dabei und dankbar, echte Live-Musik genießen zu dürfen.

Eine gute Sache

Visuell spielt die Gruppe übrigens mit Versatzstücken der türkischen Tradition und 1970er-Jahre-Bildästhetik. Deshalb sind auch die Musikvideos mehr als sehenswert. Als Tipp am Rande sei noch der folgende Hinweis gestattet: Altin Gün haben kurzfristig ein Überraschungsalbum mit dem Titel „Âlem“ angekündigt. Allerdings erfolgt die Veröffentlichung diesmal nicht als Tonträger, sondern rein digital. Ein Benefiz-Release, bei dem die Einnahmen an die Umweltschutz-Organisation Earth Today gespendet werden. Jeder Songkauf unterstützt diese dabei, eine Fläche von einem Quadratmeter nachhaltig zu schützen. Die aktuelle Single „Kısasa Kısas“ verschafft schon einen guten Eindruck von diesem empfehlenswerten Projekt.

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