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23. März 2026Die Songwriterin Alli Neumann im Interview mit Sounds & Books über ihr Album „Roquestar“
Interview von Ullrich Maurer
Mit etwas Verzug geht Alli Neumann ab dem 23.03.2026 (Dock 50, Flensburg) unter dem Titel „Zurück auf der Erde“ auf große Headliner-Tour, um ihr aktuelles Album „Roquestar“ vorzustellen. Beide Titel sind dabei erklärungsbedürftig: „Zurück auf der Erde“ spielt dabei auf die Rolle als auf die Erde zurückgekehrte Science-Fiction-Prinzessin an, die Neumann als Schauspielerin in der Erfolgsserie „Kleo“ verkörperte und „Roquestar“ heißt das Album deswegen, weil Alli Neumann, die wir bei S&B bereits 2018 mit „Hohes Fieber“ vorgestellt haben, deutlich machen möchte, dass sie sich trotz ihres Erfolges keineswegs als Rockstar sieht. Vielmehr spielt der Titel darauf an, dass sie auf den recht barock arrangierten Tracks des Albums Instrumente wie Fagott und Cembalo einsetzt – und kündet auch davon, dass sie sich als klassische „Renaissance Woman“ souverän in mehreren künstlerischen Disziplinen auszudrücken versteht.
Ganz davon abgesehen, hat Neumann viel Chamber-Pop gehört, als die an dem Album arbeitete – und wurde dabei von der Idee angefixt, die neuen Songs organisch live einzuspielen und dabei die Zeiten, in denen sie ihr Material am heimischen Computer zusammenbastelte, hinter sich zu lassen.
Hallo Alli! Vielleicht fangen wir einfach mal mit der Frage an, wie Du denn auf die Idee gekommen bist, das Fagott als Instrument in der Pop-Musik zu rehabilitieren?
Alli Neumann: Ich wollte Instrumente einsetzen, die – meiner Meinung nach – ein bisschen unterrepräsentiert sind. Ich spiele ja selber Fagott – und wollte das sogar mal studieren. Ein Fagott ist ein Instrument, das ein Teil jedes Orchesters ist – aber die meisten Menschen fragen mich, was denn ein Fagott sei, wenn ich sage, dass ich das spiele. Das Instrument wird sogar im Orchester belächelt – denn es sind immer die uncoolen Leute, die Fagott spielen. Für mich ist das Fagott ein bisschen so das Instrument der Misfits. Und das passt dann gut zu dem Bild von einem Rockstar. Ein Rockstar wird ja gerade für seine Fehler, sein Scheitern und seine Imperfektionen geliebt – und dafür
anders zu sein. Das passt dann gut zu dem Image des Fagott als Außenseiter. Mir ging es aber auch darum, nicht Klassik und Rockmusik einander gegenüber zu stellen – etwa im Sinne von „Bittersweet Symphony“ – sondern einen Weg zu finden, um ein Fagott Teil von einem Pop-Song werden zu lassen. Wie übrigens auch das Cembalo.
Alli Neumann und das Selbstbild
Mit welchem Anspruch bist Du dann ins Studio gegangen?
Alli Neumann: Zum einen wollte ich eben die Sache mit dem Fagott in der Produktion umsetzen – und dann wollte ich die Geschichte, mich mit meinem Selbstbild und meiner Wahrnehmung in der Gesellschaft auseinanderzusetzen, fertig erzählen. Ich als öffentliche Person habe da natürlich gefühlt eine Sonderstellung, aber eigentlich haben fast alle dieses Thema. Jeder hat ein Social-Media-Profil und jeder hat irgendwie das Gefühl, eine ‚Brand‘ zu sein und nach außen etwas vermitteln zu müssen – und so …




