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21. Juni 2026Mit ihrer unverwechselbaren Bühnenpräsenz und Songs ihres aktuellen Albums entführte Aldous Harding das Publikum in der Großen Freiheit 36 für rund 90 Minuten in ihre ganz eigene Welt
Text von Hannah Bruns, Fotos von Sarah Ismail
Mit ihrem Anfang Mai erschienenen fünften Studioalbum „Train On The Island“ ist Aldous Harding derzeit auf Europatour. Nach Konzerten in Großbritannien und weiteren europäischen Städten machte die neuseeländische Singer-Songwriterin am 19.06.2026 Halt in der Großen Freiheit 36 in Hamburg. Unterstützt wurde sie dabei von Vera Ellen, die den Abend mit einem 30-minütigen Set eröffnete.
Aldous Harding erschafft ihre eigene Welt
Schon beim Betreten der Bühne wird deutlich, dass Aldous Harding keinen gewöhnlichen Konzertabend plant. Weniger das Bühnenbild als ihre außergewöhnliche Bühnenpräsenz zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Mit stechenden Blicken, überzeichneten Gesten und einem nahezu unheimlichen Grinsen erschafft sie eine Bühnenfigur, die den gesamten Abend über bestehen bleibt. Selbst das Einstellen des Mikrofons wirkt wie Teil einer sorgfältig einstudierten Inszenierung. Persönliche Geschichten oder längere Ansagen hingegen sucht man an diesem Abend vergeblich. Stattdessen kommuniziert Harding über ihre Mimik, Körpersprache und Musik.
Zwischen Performancekunst und Folk-Songs
Auch musikalisch bleibt der Abend abwechslungsreich. Ruhige Songs wechseln sich mit kraftvolleren Momenten ab, während Harding beispielsweise bei „Leathery Whip“ mit einer ungewöhnlich hohen Stimmlage ihren surrealen Charakter unterstreicht. Bewusst in die Länge gezogene Pausen zwischen einzelnen Songs erzeugen immer wieder eine beinahe unangenehme Stille, welche die Neuseeländerin bewusst aushält. Im Verlauf des Abends wird deutlich, dass sich auch das Publikum auf Hardings Energie einlässt. Neben begeistertem Applaus reagieren einige Zuschauer immer wieder mit eigentümlichen Rufen, die sich wie selbstverständlich in ihre Inszenierung einfügen. Unterstützt von ihrer Band zählt der Einsatz der Harfe zu den eindrucksvollsten Momenten des Abends.
Aldous Harding fasst zusammen
Gemeinsam schaffen Band und Harding einen magischen Moment, als die Sängerin sich zu den letzten Tönen von „What Am I Gonna Do“ auf den Bühnenboden legt. Mit einem schlichten „Thank you so much, this one’s about me“ kündigt sie „Coats“, den letzten Song vor der Zugabe, an. Dieser Satz wirkt beinahe wie eine Zusammenfassung des gesamten Konzertabends. Im Mittelpunkt steht nicht der Austausch mit dem Publikum, sondern Harding selbst – oder vielmehr die mysteriöse Bühnenfigur, die sie über 90 Minuten hinweg konsequent verkörpert. Mit den Zugaben „Imagining My Man“ und „Designer“, bei denen schließlich bis in die hinteren Reihen getanzt wird, endet ein Konzert, das sich bewusst den Erwartungen an einen klassischen Singer-Songwriter-Abend entzieht.
















