Alben des Jahres 2024: Halbzeit

Camera Obscura Pressefeoto Merge Records

Die Alben des Jahres 2024 im ersten Halbjahr: U.a. mit Camera Obscura, Vampire Weekend, The Decemberists, Villagers und Beth Gibbons

ausgewählt von Gérard Otremba

Eins ist klar: Das erste Halbjahr 2024 hat vorgelegt, das zweite Halbjahr muss sich strecken. Zahlreiche bisher erschienene Alben besitzen das Potential, auch in meiner Endliste der Alben des Jahres 2024 ganz weit oben zu stehen. Okay, Nick Cave veröffentlicht noch eine neue Platte, ein sicherer Kandidat für meine Jahresliste, und die ein oder andere Überraschung erscheint im kommenden Halbjahr sicherlich auch noch. Einige bis dato veröffentlichten Alben von weniger bekannten Künstlern sind in meiner, 20 Alben umfassenden Halbzeitliste schon vertreten. Und da sind die neuen, von mir sehr geschätzten Platten von Pearl Jam und den Libertines gar nicht erst dabei. Ich feiere auch nicht die üblichen Verdächtigen wie Billie Eilish und Beyoncé, also diese ständigen Grammy-Gewinner, ab, das dürfen gerne andere übernehmen. Es gibt so viel mehr zu entdecken. Und nun wünsche ich viel Spaß mit meiner Halbjahreswertung der

Alben des Jahres 2024

1. Camera Obscura: Look To The East, Look To The West

Die schönsten Indie-Pop-Melodien im ersten Halbjahr 2024 stammen aus Schottland. Nach elf Jahren Pause melden sich Camera Obscura zurück und ich bin schockverliebt. Definitiv das bisher von mir am häufigsten gehörte Album in diesem Jahr. Beste Songs: „Liberty Print“, „We’re Going To Make It In A Man’s World“, „Look To The East, Look To The West“. (Beitragsbild: Camera Obscura, Pressefoto, Merge Records)

2. Vampire Weekend: Only God Was Above Us

Für mich die bisher beste Platte von Vampire Weekend. Quirlig, tricky, melodiös, verspielt, ausgelassen, detailverliebt, vielfältig. Ezra König als King des Indie-Rock-Pop. Beste Songs: „Classical“, „Capricorn“, „Hope“.

3. The Decemberists: As It Ever Was, So It Will Be Again

Die triumphale Rückkehr der Indie-Folk-Rock-Band aus Portland. Und das als Doppel-Album mit 70 Minute Lauflänge. Beste Songs: „Burial Ground“, „Tell Me What’s On Your Mind“, „America Made Me“.

4. Iron & Wine: Light Verse

Sam Beam zurück auf seinem besten Level als Songwriter. Kein Wunder, dass der geschätzte Kollege Werner Herpell in seiner S&B-Review von einem „perfekten Album“ schwärmt. Ich schließe mich an und versinke in diese prächtigen Indie-Folk-Barock-Pop-Melodien. Beste Songs: „All In Good Time“, „Tears That Don’t Matter“, „Angels Go Home“.

5. Villagers: That Golden Time

Durchaus noch beeindruckt von den beiden Konzerten in Hamburg und Berlin hat sich das aktuelle Album noch weiter in den Mittelpunkt gespielt. Conor O’Brien brilliert mit feingeistigem Folk-Pop zum Daniederknien. Beste Songs: „First Responder“, That Golden Time“, „No Drama“.

6. King Hannah: Big Swimmer

Ich fand schon das 2022 erschienene Debütalbum superb und auch das Zweitwerk des Liverpooler Duos lässt zwischen Indie-Folk-Rock und Rock-Noir nichts zu wünschen übrig. Beste Songs: „Big Swimmer“, „New York, Let’s Do Nothing“, „Suddenly, Your Hand“.

7. Grace Cummings: Ramona

Diese Wahnsinnsstimme der australischen Songwriterin haut mich jedes Mal neu um. Und jetzt auch noch mit erhabenen Arrangements und von Jonathan Wilson produziert. Betörend. Beste Songs: „On And On“, „Common Man“, „A Precious Thing“.

8. Beth Gibbons: Lives Outgrown

Düster, mitunter verstörend, ergreifend und voller Schönheit erklingt das neue Werk von Beth Gibbons. Auf „Lives Outgrown“ sorgt die Portishead-Sängerin für zahlreiche besondere Momente. Und glücklich kann sich schätzen, wer in Berlin beim einzigen Deutschland-Konzert zugegen war (Sounds & Books berichtete). Beste Songs: „Floating On A Moment“, „Lost Changes“, „Whispering Love“.

9. Malva: A Soft Seduction Daily

Malva Scherers traurig-melancholische Stimme und diese zumeist romantisch-nostalgischen Songwriter-Indie-Pop-Arrangements treffen mich erneut bis ins Mark. Beste Songs: „Beautiful Heartbreaker“, „Blassblau“, „Glück aufs Haus“.

10. Francis Of Delirium: Lighthouse

Die junge, in Luxemburg beheimatete Songwriterin Jana Bahrich erweist sich als Glücksfall für den Indie-Rock-Pop. Das Debütalbum mit seinen treibenden und hymnischen Melodien kann ich an dieser Stelle nur nochmals dringend empfehlen. Beste Songs: „Real Love“, „Blue Tuesday“, „Give It Back To Me“.

11. Ferris & Sylvester: Otherness

Blues-Rock, Folk, Psychedelic-Rock und Pop: Das britische Duo Ferris & Sylvester zieht auf seinem Zweitwerk „Otherness“ sämtliche Register. Das verspricht eine strahlende Zukunft für das Ehepaar. Beste Songs: „Mother“, „Dark Side“, End Of The World“.

12. Adrianne Lenker: Bright Future

Karge und doch so unfassbar dringliche und fesselnde Indie-Folk-Musik der Big-Thief-Sängerin. Beste Songs: „Sadness As A Gift“, „No Machine“, „Ruined“.

13. The Smile: Wall Of Eyes

Art- und Indie-Rock, wie man ihn besser nicht hinbekommen kann. Dier Radiohead-Ableger/Nachfolge-Band verstört und betört gleichermaßen. Beste Songs: „Wall Of Eyes“, „Bendic Hectic“, „You Know Me!“.

14. Bonny Light Horseman: Keep On Your Mind / See You Free

Doppelalbum mit 18 Songs (+ zwei Snippets) und keines zu viel. Beherzter Indie-Folk und Country-Rock, dem man zu Füßen liegt. Beste Songs: „When I Was Younger“, „Lover Take It Easy“, „I Know You Know“.   

15. Bill Ryder-Jones: Iechyd Da

Bill Ryder-Jones ist nicht ganz zu Unrecht stolz auf seine neue Platte. Meisterlicher Grandezza-Pathos-Pop und Songwriter-Indie-Pop. Beste Songs: „This Can’t Go On“, „If Tomorrow Starts Without Me“, „A Bad Wind Blows In My Heart pt.3“

16. Ja, Panik: Don’t Play With The Rich Kids

Die österreichischen Berliner legen eine einwandfreie Indie-Rock-Platte hin. Beste Songs: „Dream 12059“, „Changes“, „Ushuaia“.

17. Nichtseattle: Haus

Weil Katharina Kollmann unerschrocken ihren außergewöhnlichen und eigenwilligen Weg geht, tolle Geschichten erzählt und die Hörer fordert und verzaubert. Beste Songs: „Frau sein“, „Unterstand“, „Beluga“.

18. Gruff Rhys: Sadness Set Me Free

Zeitlos schöne Songwriter-Popmusik des walisischen Musikers. Beste Songs: „Bad Friend“, „Celestial Candyfloss“, „They Sold My Home To Built A Skycraper“. 

19. The Last Dinner Party: Prelude To Ecstasy

Die Formation um Sängerin Abigail Morris auf der Überholspur. Mainstream-Rock-Pop mit Indie-Touch. Demnächst wohl in großen Hallen unterwegs. Beste Songs: „Nothing Matters“, „On Your Side“, „Caesar On A TV Screen“.

20. Kettcar: Gute Laune schlecht verteilt

Das erste Nummer-1-Album der Hamburger Indie-Rock-Band darf in dieser Liste natürlich nicht fehlen. Beste Songs: „Auch für mich 6. Stunde“, „Wir betraten die Enterprise mit falschen Erwartungen“, „Ein Brief meines 20-jährigen Ichs (Jedes Ideal ist ein Richter)“.

Kommentare

  • <cite class="fn">Werner Herpell</cite>

    Wow, sehr schöne Liste, tolle Alben allesamt. Ich eröffne mal die Diskussion mit meiner Halbjahres-Bestenliste – zusätzlich geprägt von (Wieder-)Entdeckungen wunderbarer schottischer Künstler im Frühjahr. Viel Spaß beim Vergleichen!

    01. Vampire Weekend „Only God Was Above Us“
    02. Iron & Wine „Light Verse“
    03. Blue Rose Code „Bright Circumstance“
    04. Villagers „That Golden Time“
    05. Wojtek The Bear „Shaking Hands With The NME“
    06. The Smile „Wall Of Eyes“
    07. Paul Weller „66“
    08. The Pearlfishers „Making Tapes For Girls“
    09. Fergus McCreadie „Stream“
    10. The Blow Monkeys „Together/Alone“
    11. Bill Ryder-Jones „Iechyd Da“
    12. Elbow „Audio Vertigo“
    13. Leyla McCalla „Sun Without The Heat“
    14. St. Vincent „All Born Screaming“
    15. Robert Carl Blank „Ungefähr genau hier“

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