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12. Januar 2024Der umtriebige Waliser Singer/Songwriter Al Lewis wagt den viel beschworenen Blick zurück nach vorn: Die Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte führt ihn dabei auch klanglich auf neue Pfade.
von Carsten Wohlfeld
Mit folkigen Kleinoden in englischer und walisischer Sprache hat Al Lewis bereits neun Alben gefüllt, darunter auch die viel beachtete Duo-LP „Ghost“ mit der kanadischen Seelenverwandten Alva Leigh als Lewis & Leigh. Sein neues Album ist nun seine vielleicht persönlichste, aber zugleich auch eingängigste Platte bisher. Die „Fifteen Years“, die Lewis darauf Revue passieren lässt, sind die Zeit seit dem Tod seines an Multipler Sklerose erkrankten Vaters und auch die Zeit, die er selbst brauchte, um sich mit dem Verlust auseinanderzusetzen. Doch obwohl die Lieder eng mit Lewis‘ eigener Familiengeschichte verknüpft sind, war es ihm doch ein Anliegen, seine Trauerbewältigung und seine
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Sinnsuche als positives Signal auch für andere erfahrbar zu machen.
Das Vermächtnis eines Vaters
Die titelgebenden 15 Jahre beschreiben auch den Zeitraum, in dem der Nachlass von Lewis‘ Vater unangetastet auf dem Dachboden schlummerte, bevor der Musiker während des Lockdowns endlich den Mut fasste, sich damit zu beschäftigen. Dabei gewann er gänzlich unerwartete Einblicke in das Leben seines Vaters, die ein ganz neues Bild von ihm zeichneten. Lieder wie „Never Be Forgotten“ oder „Fatherly Guidance“ handeln explizit davon, gleichzeitig betrachtet Lewis aber auch seine eigene Rolle als Vater zweier Kinder und wie durch sie die Familiengeschichte fortgeschrieben wird. Verständlicherweise fallen viele Songs, allen voran das emotionsgeladene, auf Klavier und Stimme konzentrierte Titelstück, düsterer aus als die vorangegangener Alben, aber Lewis‘ brillanten Fähigkeiten als Storyteller ist es zu verdanken, dass sich zwischen all der Melancholie auch einige geradezu heitere Momente finden, etwa, wenn er in „My Daughter‘s Eyes“ feststellt, dass die Grübchen seines Vaters nicht nur in ihm, sondern auch in seinen eigenen Kindern weiterleben.
Al Lewis richtet sich klanglich neu aus
Auch musikalisch setzt Lewis auf „Fifteen Years“ andere Prioritäten als zuvor. So beginnt das Album zwar mit „Sunshine In Sorrow“ auf Folk-Terrain, doch wenn der durch Sarah Howells wunderbaren Harmoniegesang veredelten Song in der zweiten Hälfte fast unmerklich immer größer und gewaltiger wird, setzt Lewis erstmals einen Fuß in die Tür des Mainstreams. Die Instrumentierung bleibt stets echt und organisch – bei „Thirty-Five“ hat sogar das feine norwegische Roots-Duo Darling West einen Gastauftritt –, trotzdem findet Lewis auch in der Folge spürbar Gefallen daran, seine neuen Lieder behutsam in zeitlos schöne, poppige Eleganz zu tauchen. Die Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit führt ihn so geradewegs in eine spannende Zukunft.
„Fifteen Years“ von Al Lewis erscheint am 12.01.2024 bei Al Lewis Music/The Orchard. (Beitragsbild von John Hollingsworth)





