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3. Februar 2026Dunkler Gesang, düsteres Charisma: Mit diesen Qualitäten brilliert der Ire A.S. Fanning auch auf seinem vierten, stärker electropoppigen Album.
von Werner Herpell
Die willkommene Wiederkehr der „Wunderstimme“ nach drei langen Jahren – endlich! Denn von dem dunklen Gesang und dem düsteren Charisma des A.S. Fanning schwärmte (auch) dieser Reviewer, als der irische Musiker 2023 mit seinem formidablen Album „Mushroom Cloud“ die Bariton-Pop-Szene bereicherte. Zumal der zwischen Scott Walker und Jim Morrison, Neil Hannon und Richard Hawley oszillierende Singer-Songwriter seine Klasse auch bei einem Hamburger Konzert eindrucksvoll bestätigte.
Eine Stimme wie aus edlem Samt
Jetzt also „Take Me Back To Nowhere“, Fannings viertes Album – und wieder sind die Songs opulent, die Vocals edelsamtig und sanft sedierend, die Texte nicht gerade von der optimistischen Sorte. Der Auftaktsong „Save Us“, das als Single ausgekoppelte „Today Is For Forgetting“ (eine veritable Leonard-Cohen-Hommage) und das treibende „Idiot Leader“ deuten eine zum 80s-Electropop tendierende, experimentellere Ausrichtung des Songwritings an, aber durchgehend kühl und keyboard-lastig sind die Arrangements zum Glück nicht. „Now I’m In Love“ etwa könnte auch eine Platte von The Divine Comedy zieren, im Instrumental „Back To Nowhere II“ nähert sich Fanning dem melodischen Post-Punk, ehe er mit dem prachtvollen, vergleichsweise zuversichtlichen „Stay Alive“ und „Talking To Ourselves“ als melancholischer Crooner im Nick-Cave-Modus brilliert.
Für „Take Me Back To Nowhere“ arbeitete Fanning erneut mit dem Produzenten und Tontechniker Robbie Moore zusammen. Aufgenommen wurden die 13 Tracks im Studio Idea Farm, einem abgelegenen, umfunktionierten Bauernhof in Südschweden, an dessen Ausbau der aus Dublin stammende Wahl-Berliner Stephen „A.S.“ Fanning in den vergangenen Jahren selbst häufiger mitgewirkt hatte. Die neuen Songs entstanden gemeinsam mit seiner international zusammengesetzten, virtuosen Live-Band: Bernardo Sousa (E-Gitarre), Dave Adams (Orgel, Synthesizer, Klavier), Fred Sunesen (Schlagzeug), Felix Buchner (Bass) sowie als Gastmusikerin Marta Zapparoli mit „atmosphärischen Klangtexturen“.
A.S. Fanning mit neuem Songwriting-Prozess
Die ursprünglich live eingespielten Stücke wurden „im Prozess dekonstruiert und völlig neu zusammengesetzt, wodurch Ambient-Elemente und karge, weitläufige Klanglandschaften weiter in den Vordergrund treten“, schreibt Fannings umtriebiges Vertriebs-Label K&F Records, das auch die Alben eines anderen herausragenden irischen Singer-Songwriters, John Blek herausbringt. Ein Handgelenk-Bruch zwang Fanning dazu, seinen Songwriting-Prozess von der Gitarre an Keyboards und Drum-Machine zu verlagern (was man, wie erwähnt, durchaus hören kann). „Die Herangehensweise ist eine völlig andere“, sagt der Multiinstrumentalist. „Man denkt viel stärker darüber nach, wohin die Dynamik eines Songs führen soll. Manchmal lässt man sich einfach vom Momentum der Texte tragen, anstatt an Akkorden oder klassischen Songstrukturen festzuhalten.“
Das Ergebnis: eine Platte, die nicht wie eine schnöde Kopie des bejubelten Vorgängers klingt, Hörer von „Mushroom Cloud“ aber kaum weniger begeistern dürfte. Live-Termine für Deutschland gibt’s erfreulicherweise auch schon: 16.03.2026 Langenberg – KGB; 28.03.2026 Altenkichen – KulturSalon Stadthalle; 21.04.2026 Hamburg – Knust; 22.04.2026 Leipzig – Secret Location; 23.04.2026 Dresden – Ostpol; 25.04.2026 Oberhausen – Gdanska; 02.05.2026 Berlin – Neue Zukunft. Lohnt sich unbedingt.
Das Album „Take Me Back To Nowhere“ von A.S. Fanning erscheint am 06.02.2026 bei Proper Octopus/K&F Records. (Beitragsbild von Neil Hoare)





