Hello Emerson: How To Cook Everything

Hello Emerson: How To Cook Everything

An der Americana-Indie-Folk-Rock-Band Hello Emerson kommt man nicht mehr vorbei

Bereits das vor eineinhalb Jahren veröffentlichte, und bei Sounds & Books besprochene Debütalbum „Above The Floorboards“ war ein kleiner Geniestreich von Hello Emerson. Die Indie-Folk-Band aus Columbus, Ohio, die im Kern aus Sänger und Songwriter Sam Bodary sowie Jack Doran (Tasteninstrumente) und Daniel Seibert (Percussion) besteht, kehrt nun mit „How To Cook Everything“ zurück – benannt nach dem gleichnamigen Kochbuch von Mark Bittman. Ähnlich wie schon das Debüt, ist auch das Zweitwerk durchaus üppig, aber eben nie überladen arrangiert. Neben den üblichen Instrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug, lassen Hello Emerson Piano, Pedal Steel, Mandoline, Streicher, Saxophone, Klarinetten, Trompeten, Posaunen und einen 30-stimmigen Chor erklingen.

Ein vielschichtiges Americana-Album

Hello Emerson How To Cook Everything Cover K&F Records

Trotz Opulenz-Verdacht wirken die Songs nach wie vor viel mehr im Lo-Fi-Sound verhaftet. Die Vergleiche mit Conor Oberst oder Ryan Adams sind immer noch gerechtfertigt, bessere Referenzen kann sich Sam Bodary wohl kaum wünschen. Mit „How To Cook Everything“ gelingt ihm erneut ein abwechslungsreiches und vielschichtiges Americana-Indie-Folk-Rock-Album, das in „Seat 16B“ ein hymnisch-pathetisches Ende erfährt. Bodary besitzt einen Hochschulabschluss in Literaturwissenschaften, seine Texte sind Kurzprosawerke und in „Seat 16B“ erzählt der 25-jährige Songwriter die Geschichte einer Frau im mittlerem Alter, die zum ersten Mal ihre Heimat Arkansas verlässt und ihre beiden fast erwachsenen Söhne zurücklässt, um eine Beziehung mit ihrer Jugendliebe wieder aufleben zu lassen. Wie als Aufmunterung schmettert ihr ein vielstimmiger Chor die Zeile „There‘s a first time for everything“ entgegen. In den feierlichsten Momenten dieses Stückes sind The Head And The Heart nicht weit entfernt.

Hello Emerson zitieren Bruce Springsteen und erinnern an Van Morrison

Eine vergleichbare, würdevolle Pathosatmosphäre erzeugen Hello Emerson noch im Opener „The Last Dinner“, während „We Lost“ zu einem stampfenden Rock’n’Roll samt schrägen Bläsersätzen mutiert. Als schönster Song des Albums entpuppt sich „Am I The Midwest?“, in der Bodary sich die Frage nach der Identität des Bewohners eines Midwestsaates zu beantworten versucht. Und das von einer überaus eleganten und wärmenden Melodie eingefangen, getragen von Piano, Pedal Steel, Schlagzeug und Streichern. Nicht minder beeindruckend geraten die schwermütige Kriegsanklage „Another War“, das jazzig angehauchte „Dancing In The Kitchen“, in dem Sam Bodary eine Reminiszenz an Bruce Springsteens „Thunder Road“ einbaut, und natürlich das an Van Morrison erinnernde „Kyle Kerley“. „How To Cook Everything“ ist ein bärenstarker Nachfolger von „Above The Floorboards“ geworden, der Sam Bodary als genialen Songwriter etabliert. An Hello Emerson kommt man nicht mehr vorbei.

„How To Cook Everything“ von Hello Emerson ist am 24.01.2020 bei K&F Records / Broken Silence erschienen. (Beitragsbild: Albumcover)        

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