Bill Fay: Countless Branches – Albumreview

Bill Fay: Countless Branches – Albumreview

Zehn ergreifende Songs von Bill Fay

Bill Fay gehörte schon zu den vergessenen Songwritern dieses Planeten. Seine beiden 1970 und 1971 erschienenen Alben waren kommerzielle Flops, die Karriere des britischen Musikers danach für viele Jahre beendet. Erst drei Jahrzehnte später wurden seine Platten wiederentdeckt- und veröffentlicht, auch Jeff Tweedy zählte mit seiner Band Wilco zu den Bewunderern der orchestrierten Folkmusik, die ob ihrer Qualität Vergleiche mit Nick Drake und Bob Dylan nicht scheuen musste.

Sparsame Instrumentierung

Bill Fay Countless Branches Cover Dead Oceans

Im Zuge dieses kleinen Revivals brachte Fay 2012, 42 Jahre nach seinem selbstbetitelten Debüt, das Comeback-Album „Life Is People“ – wo er sich mit einer Coverversion von „Jesus Etc.“ bei Wilco bedankte – heraus, drei Jahre später folgte „Who Is The Sender?“. Nun ist „Countless Branches“ erschienen, das im Vergleich zu seinen beiden Comeback-Vorgängern noch wesentlich sparsamer instrumentiert ist. Das von Joshua Henry produzierte Album enthält zehn Kompositionen, die Bill Fay über einen Zeitraum von vierzig Jahren gesammelt und jetzt vollendet hat. Standen in den beiden Frühwerken Fays noch häufig Weltuntergangsszenarien auf der thematischen Agenda, singt der mittlerweile 77-Jährige voller Liebe über die Natur, die Menschen, das Leben, das Entstehen, das Vergehen, das Universum. Er singt die seine Lieder allerdings immer noch so barmend und ergreifend, dass es einem ganz klamm in der Herzgegend wird.

Berührende und wehmütige Lieder von Bill Fay

Seine zumeist auf einem Klavier basierenden Melodien klingen wie spontan und beiläufig komponiert, erzeugen dadurch jedoch eine schier grenzenlose Nähe und Verbundenheit. Und ganz ehrlich, viel traurigere Songs als „Time’s Going Somewhere“, „Salt Of The Earth“, oder den Titelsong werden wir dieses Jahr nicht mehr so häufig zu hören bekommen. Einziger Wermutstropfen bleibt die Albumlänge von unter 30 Minuten. Gerne hätte man mehr von diesen sanften Pianosogs, die gelegentlich um ein Cello, eine Violine, ein Blasinstrument, ein akustische Gitarre und einmal gar um ein zeitlupenhaftes Schlagzeug („Your Little Face“) ergänzt werden. So versammelt „Countless Branches“ einen zutiefst berührenden, beseelten und wehmütigen Songreigen eines großartigen alten Meisters.

„Countless Branches“ von Bill Fay ist am 17.01.2020 bei Dead Oceans / Cargo Records erschienen. (Beitragsbild von Parri Thomas)

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