Mint Mind: Thoughtsicles – Albumreview

Mint Mind: Thoughtsicles – Albumreview

Die Rockmusik lebt immer weiter, auch auf „Thoughtsicles“ von Mint Mind

Das ist schon sehr erquicklich, mit welcher Vehemenz sich Rick McPhail in sein Nebenprojekt Mint Mind stürzt. Seit zwanzig Jahren gehört der aus Maine stammende US-Amerikaner und in Hamburg lebende Musiker Deutschlands Vorzeige-Indie-Rock-Band Tocotronic an, wo er sich an Gitarre und Keyboards profilierte. Mit der Formation Glacier hatte er bereits eine Nebenbeschäftigung zum Tocotronic-Hauptjob, mit Mint Mind prescht er noch weiter in den Underground-Rock vor. „Thoughtsicles“ hießt das zweite Album des Trios, das diesmal durch Gitarrist Christian Klindworth und Schlagzeuger Tim Wenzlick komplettiert wird.

Psychedelic-Garagen-Stoner-Rock

Mint Mind Thoughtsicles Cover Upper Room

Die Band fröhnt dem alternativen Rock aus der Ära der Früh-Neunziger, der bis in die End-Sechziger weist und den Bogen von den Pixies und Sonic Youth bis zu Dinosaur Jr. und MC5 spannt. Der Psychedelic-Garagen-Rock darf es also mal wieder richten, und es bedarf natürlich keinerlei Modernismen, um zu zeigen, dass Rockmusik niemals sterben wird. Jedenfalls scheint es Rick McPhail so zu sehen, und das ist gut so. Herrlich dröhnt es schon im treibenden Stoner-Rock des Openers „Alcoholicity“. Sofort zeigt sich die Riff-Wucht, mit der Mint Mind hier zuschlagen. McPhail, Wenzlick und Klindworth spielen sich in einer Art Jam-Session durch das Album. Es entstehen dabei gewaltige Soundwände, durch die immer wieder eingängige Melodien wie in „A Road Best Traveled“ dringen.

Mint Mind und der Griff in die Vintage-Trick-Kiste

Zum aufgekratzten (Post-)Punk greift das Trio in „I Love A Good Queue“, während „Brother, You’re Not My Brother“ durch zweieinhalb Minuten Garagen-Rock poltert und stürmt. Der bei Sounds & Books als Song des Tages vorgestellte Psychedelic-Folk-Rock-Titelstück „Thoughtsicles“ mäandert sich auf dem Album urwüchsig durch satte zehneinhalb Minuten. Ein ausschweifender Höhepunkt, bei dem Pink Floyd auf Led Zeppelin treffen. Auch das zweigeteilte „Sleepyhead“ führt uns in vergangene, sehr schöne Psych-Folk-Hard-Rock-Zeiten. Textlich rechnet Rick McPhail mit der politischen Lage in seinem Heimatland ab und lässt auch kein gutes Haar am eitlen Selbstgehabe auf modernen Kommunikationsplattformen. Mint Mind zeigen mit „Thoughtsicles“, dass die Rockmusik weiterlebt, ein vorbildlicher Griff in die Vintage-Trick-Kiste genügt.

„Thoughtsicles“ von Mint Mind erscheint am 10.01.2020 bei Upper Room / Broken Silence (Beitragsbild von Zac Johnson).        

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