Postcards: The Good Soldier – Albumreview

Postcards: The Good Soldier – Albumreview

Ein Zauberwald aus Indie-Dream-Pop- und Shoegaze-Melodien von Postcards

Zwei Jahre nach dem Debüt „I’ll Be Here In The Morning“ melden sich Postcards zurück. Das Trio aus Beirut, Libanon, bestehend aus Julia Sabra, Pascal Semerdjian und Marwahn Thome, nimmt auf „The Good Soldier“ den Faden des Erstlings auf und entführt die Hörer in einen Zauberwald aus Indie-Dream-Pop- und Shoegaze-Melodien. Neun neue Songs und zwei Interlude-Passagen befinden sich auf dem Zweitwerk, das zwischen majestätischen Klangkathedralen und lieblichen Indie-Harmonien oszilliert.

Postcards changieren zwischen Melancholie und Erhabenheit

Postcards The Good Soldier Cover T3 Records

Der knapp fünfminütige Auftakt „Dead End“ fasziniert mit verzerrt-progressiven Gitarreneruptionen, die Wände einzustürzen in der Lage sind,  futuristischen Synthieflächen und Julia Sabras im Hintergrund schwebender Stimme. Ein Monolith von einem Song also zu Beginn von „The Good Soldier“, das mit „Fossilized“ seine Fortsetzung erfährt, in dem Postcards pittoresk-sanftmütige Strophen in einen pathetisch-opulenten Chorus führen. Julia Sabras entrückte und doch würdevolle Gesangsvorstellung changiert zwischen Melancholie und Erhabenheit. Das Potential zum Indie-Hit besitzt zweifellos „Spiderwebs“, das von Euphorieschüben knapp über zwei Minuten lang nach vorn getrieben wird, den verträumten Part der Band indes nicht ausblendet und mit seiner ansteckenden Keckheit begeistert. Gegensätzlich dann der Titeltrack „The Good Soldier“, ein wehmütiger, ganz zarter und minimalistischer, zutiefst berührender Abschiedssong („So say your goodbyes and maybe someday I’ll make you mine“).

Harmonischer Indie-Pop

Ähnlich bedächtig machen Postcards in „Lights Out“ weiter, lassen die Lichter jedoch im weiteren Songverlauf wieder hell leuchten. Die Referenzen dieses Albums sind weit gestreut: Mazzy Star, The Sundays, Cardigans, aber auch Pink Floyd oder Radiohead mögen Einfluss auf den Sound von „The Good Soldier“ genommen haben. In „Freediving“ erkennt man gar den liebevollen Zeitlupen-Americana der Cowboy Junkies wieder und „Hunting Season“ entwickelt die Dynamik der besten Cranberries-Tracks. Eingängiger und fluffiger Indie-Pop, dezente Schwermut und liebliche Harmonien, einfach entzückend.  Am Ende obsiegt die Düstermis im getragenen und herzzerreißenden „Little Lies“. Ein vielversprechender musikalischer Startschuss ins Jahr 2020.

„The Good Soldier“ von Postcards ist am 03.01.2020 bei T3 Records erschienen. (Beitragsbild: Albumcover)

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