The Who: Who – Albumreview

The Who: Who – Albumreview

Ein wütendes und gelungenes Album-Comeback von The Who nach 13 Jahren

Neben den Beatles, den Rolling Stones und den Kinks gehörten The Who zur Speerspitze der angesagtesten britischen Bands, die Mitte der 60er-Jahre die Rockwelt nachhaltig veränderten. Sie hatten Hits am laufenden Band: „My Generation“, „Substitute“, „Pictures Of Lily“, „I Can See For Miles“, „Won’t Get Fooled Again“ oder „Pinball Wizard“. Sie traten 1967 in Monterey und zwei Jahre später beim noch bekannteren Woodstock Festival auf. Mit „Tommy“ und „Quadrophenia“ führte das Londoner Quartett das Konzept der Rockoper in schwindelerregende Höhen, Verfilmungen inklusive. Pete Townshend, Roger Daltrey, John Entwistle und Keith Moon fühlten sich der Mod-Bewegung verpflichtet, verschmolzen Rhythm & Blues mit Beat und Rock und gehörten zu den Formationen, die eine härtere Gangart in der „British Invasion“ bevorzugten.

The Who können es noch

The Who Who Cover Universal Music

1978 musste Schlagzeuger Keith Moon dem schnellen Rock’n’Roll-Leben Tribut zollen, 2002 folgte ihm Bassist John Entwistle in die ewigen Jagdgründe der Rock-Helden. Als Live-Band waren The Who immer wieder unterwegs, bei Plattenaufnahmen machten sie sich rar. Lediglich „Endless Wire“ von 2006 vervollständigt die seit 1982 ruhenden Albumproduktionen. 13 Jahre später erscheint nun also „Who“ und siehe da, The Who können es noch. Sie wüten und poltern so gut es eben geht im Mittsiebziger-Alter, verweisen geschickt auf alte Band-Klassiker und prangern die US-Politik gegenüber den Gefangenen in Guantanamo in „Ball And Chain“ an.

Ausgelassen wie vor über 50 Jahren

Unterstützt von Bassist Pino Paladino und Schlagzeuger Zak Starkey raffen sich The Who zu weiteren energiegeladenen Stücken wie „I Don’t Wanna Be Wise“ und dem fast berstenden „Detour“ auf, der die Band an ihre Anfangstage führt. Auch der Opener „All This Music Must Fade“ erfreut durch Dynamik und Rasanz. Dem Pathos ihrer Rockoper-Zeit huldigen Daltrey und Townshend in „Beads On A String“ und „Hero Ground Zero“, sehr souverän, aber natürlich auch überladen und bombastisch. Wesentlicher interessanter und uriger wird es allerdings wieder kurz vor Schluss mit „Rocking In Rage“, wo die Rüpel von früher wieder so ausgelassen und wütend wie vor über 50 Jahren klingen. Townshend und Daltrey lassen die Muskeln spielen, die Gitarren kreisen, die Stimmbänder vibrieren. Vielleicht hat niemand mehr auf ein Album von ihnen gewartet, aber gut, dass sie es gemacht haben.

„Who“ von The Who erscheint am 06.12.2019 bei Polydor / Universal Music (Beitragsbild: Pressefoto Universal Music).

Kommentare

  • <cite class="fn">Oliver Schwenzer</cite>

    Eine schöne Rezension des neuen THE WHO Albums. In der Tat ein beeindruckendes Album und hört man es zwei- dreimal, dann wird es zu einer Offenbarung, einem der stärksten The Who Alben of all time. Das liegt daran, dass Townshend and Daltrey – man muss beide in dieser Reihenfolge nennen, weil Pete Townshend der Meisterkomponist, der Architekt aller Musik der Band ist – sich auf ganz alte Werte ihrer Kunst besinnen. Guten Rock mit harter Gitarre, getragen von eingängigen Melodien, die immer zwischen zackiger Aggression und latentem Opernschnulz hin und her taumeln. Einmalige Weltklasse. Schade nur, dass die Rezension nicht auf die eigentlich auffälligste Nummer das Albums zu sprechen kommt: „I’ll be back“ ist ein von Townshend gesungener Titel, von dem man zunächst meint, er würde so gar nicht in das Konzept des Albums passen. Wer aber um die überraschend vielseitige Virtuosität von Townshend weiß, erkennt, dass das Gegenteil der Fall ist. Die Nummer ist die perfekte Mitte des Albums und Townshend findet seine Mitte lässiger denn je. Hier spielt er nicht, er erzählt und trifft damit den Kern dessen, was „seine“ Musik immer war: Eine Erzählweise. Damit überraschte er schon in den Siebzigern, z.B. als er plötzlich mit „However Much I Booze“ auf by Numbers mit ungewohnten Tönen in einer Art Country Music Frische begeisterte. „I’ll be back“ ist mit der abgerundeten Mundharmonika im Stil von Stevie Wonder fast schon eine Homage an Motown und jazzt gelassen vor sich hin. Gerade weil es auch so eine Nummer auf dem neuen Album Who gibt, lässt dies auch andere Songs, die bereits besprochen wurden, glänzen. Das Album ist nach dem eher müden Wiederauferstehungsversuch von 2006, dem fast gänzlichen misslungenen Album „Endless Wire“ ein derart gelungener Befreiungsschlag, dass man beruhigt sagen: Die Jungs sind megafit und wider ganz dort, wo sie im Grunde immer waren: Auf dem Olymp der weltbesten Rockmusik.

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