Carl Nixon: Fish ’n‘ Chip Shop Song – Storys

Carl Nixon: Fish ’n‘ Chip Shop Song – Storys

Formvollendete Storys des neuseeländischen Autors Carl Nixon

Wenn eine Erzählung mit dem Satz „Als Maurice Harbridge in einer einsamen Kurve des Highways 73 von einem zu schnell fahrenden Schaftransporter getötet wurde, schien es nur angemessen, dass sein bester Freund King Tut bei ihm war“ beginnt, hat der Autor alles richtig gemacht. Umso mehr, wenn man erst drei Seiten weiter erfährt, dass es sich beim besten Freund des Verstorbenen um einen Papagei handelt. Alles richtig machen auch die Leser, die zu Carl Nixons Erzählband „Fish ’n’ Chips Shop Song“ greifen. Das vor drei Jahren bereits als E-Book veröffentlichte, nun im Hardcoverformat bei CulturBooks erschienene Werk versammelt fünfzehn Storys des neuseeländischen Schriftstellers Carl Nixon, die in seinem Heimatland zwischen 1997 und 2005 publiziert worden sind.

Carl Nixon und die Einsamkeit seiner Protagonisten

Carl Nixon Fish'n'Chip Shop Song Cover CulturBooks

Am Anfang steht die Geschichte „King Tuts letzte Feder“ um besagten Maurice, der eine unzertrennliche Einheit mit seinem Papagei King Tut abgab, egal ob tagsüber hinter dem Tresen des Eckladens seiner Mutter, oder abends im Kino. „King Tut verlieh Maurice einen speziellen Touch, ähnlich einem Piraten, eine Eigenschaft, die man nicht oft bei den Mitarbeitern von Ecklädchen ländlicher Kleinstädte sah.“ Nach dem Unfalltod seines menschlichen Kompagnons wird King Tut nicht mehr gesehen und zufällig ein Jahr später vom Erzähler der Story entdeckt. Er fristet ein kümmerliches und verwahrlostes Dasein im Keller von Maurices Mutter. Einsam sind in Nixons Story-Band nicht nur die Kurven eines Highways, sondern auch Papageie und Menschen. Die Storys in „Fish ’n’ Chip Shop Song“ kreisen um die Themen Einsamkeit, Verlust, Alter, das Älterwerden, Entfremdung, um Generationenkonflikte, die Vergänglichkeit, den Tod. Es ist die Flüchtigkeit des Augenblicks, es sind schicksalhafte Momente, denen die Protagonisten unterworfen sind und von Carl Nixon zwischen Melancholie, Traurigkeit und Humor eingefangen werden.

Carl Nixons Empathie

Seine Kurzgeschichten sind geschliffene Statements zu zwischenmenschlichen Beziehungen, die sämtliche Denk- und Gefühls-Skalen der Leser ansprechen. Nur leidenschaftslose Buchstabenkonsumenten werden sich am Ende der Story „Seines Auges Apfel“ einer Träne erwehren, die anderen werden ob der Empathie, die Nixon seiner Hauptfigur entgegenbringt, sich vor Rührung und Sentiment ergehen, jauchzen und frohlocken. Mit ironischem Augenzwinkern lässt er die Theaterbeleuchterin Karen Rache am Hauptdarsteller des Shakespeare-Stückes „Titus Andronicus“ nehmen, der fast mit allen Frauen um sie herum ein Verhältnis anfing, nur sie sexuell nicht beachtete, als sich die Möglichkeit bot.

Literarische Kleinode

In „Der Mann in der Ferne“ sowie „Maniototo Sechs“ verfolgen wir das Leben der männlichen Mitglieder der Alymer-Familie. Während zunächst bei Marks Vater Krebs diagnostiziert wird, spielt die Fortsetzung wenige Jahre später, als Mr. Alymer bereits verstorben ist und Marks Sohn Richard soweit in finanziellen Nöten steckt, dass er sich genötigt fühlt, ein Gemälde aus seines Vaters Haus zu stehlen. Für Nixon indes nur der Aufhänger, um hinter die Fassaden einer von kommunikativer Distanz gekennzeichneten Vater-Sohn-Beziehung zu schauen. Jede dieser Erzählungen entpuppt sich als ein literarisches Kleinod, von Carl Nixon stilistisch ähnlich formvollendet verfasst wie die Storys seiner amerikanischen Kollegen William Saroyan („Wo ich herkomme, sind die Leute freundlich“), Richard Yates („Eine letzte Liebschaft“) oder Callan Wink („Der letzte beste Ort“). Begeisternd.

Carl Nixon: „Fish ’n’ Chip Shop Song“, Storys, CulturBooks, Hardcover, 248 Seiten, übersetzt von Kim Lüftner, Martina Schmid und Sophie Sumburane, 978-3-95988-107-4, 20 € (Beitragsbild: Buchcover).

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