Leonard Cohen: Thanks For The Dance

Leonard Cohen: Thanks For The Dance

Ein letzter ergreifender Gruß von Leonard Cohen

Vor drei Jahren, nur wenige Wochen nach dem Release seines Albums „You Want It Darker“, verstarb der kanadische Songwriter Leonard Cohen 82-jährig. Den nun auf „Thanks For The Dance“ zu hörenden Gesang nahm er noch rechtzeitig zuvor auf, für die musikalische Umsetzung hat er seinen Sohn Adam, mit dem er bereits auf seinen letzten Veröffentlichungen zusammenarbeitete, beauftragt. Also keine Leichenfledderei, sondern ein legitimer Nachlass, ein letzter Abschiedsgruß aus der Gruft.

Der Abschiedstanz

Leonard Cohen Thanks For The Dance Albumcover Columbia Records Sony Music

Adam Cohen hat sich illustre Gäste für die Vollendung des von seinem Vater Begonnenen eingeladen. Daniel Lanois (Keyboards), Javier Mas (Laute), Beck (Gitarre), Damien Rice, Leslie Feist und Jennifer Warnes (Background-Vocals) veredeln dieses filigrane, halbstündige Werk mit neun neuen Songs. Dezente Folk-Arrangements hat Adam Cohen für die Texte seines berühmten Vaters gefunden, dessen sonorer Sprechbariton einen selbstverständlich sofort  wieder gefangen nimmt und vor Ehrfurcht erstarren lässt. „Thanks For The Dance“ ist ein Abschiedsgruß ohne die in „You Want It Darker“ verankerten düsteren Todesgedanken. Eine Verabschiedung als letztes romantisches Walzertänzchen im Titeltrack („It was hell, it was swell, it was fun“), der galante Gentlemen tritt von der Bühne ab und sinniert nochmal über Frauen, seine Beziehungen und das Leben.

Leonard Cohen und der Kolibri

Im Opener „Happens To The Heart“ behauptet er, seine Arbeit nie als Kunst angesehen zu haben und im grotesken „Puppets“ macht Leonard Cohen die Welt zum verstörenden Puppentheater („German pupptes burn the Jews / Jewish pupptes did not choose“). Mit diesem  engelsgleichen Backing-Chor im Rücken entwickelt sich „The Hills“ zu einem echten Leonard-Cohen-Monolithen, der in die Phalanx seiner unvergessen Hits wie „Suzanne“, „So Long, Marianne“, „Sisters Of Mercy“ oder „I’m Your Man“ eindringt. Am Ende der Platte empfiehlt er uns, statt ihm, lieber einem Kolibri zuzuhören („Listen to the Hummingbird / don’t listen to me“). Seinen Humor hat der neben Bob Dylan bedeutendste Dichter der Populärmusik am Ende also nicht verloren. Aber wir lauschen dann doch lieber ihm, auch nach seinem Tod. Mit „Thanks For The Dance“ hat Leonard Cohen ein letztes, großartiges Statement hinterlassen, von Sohn Adam musikalisch kongenial in Szene gesetzt.

„Thanks For The Dance“ von Leonard Cohen erscheint am 22.11.2019 bei Columbia Records / Sony Music (Beitragsbild: Albumcover).

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