Karlie Apriori: Verspielt – EP-Review

Karlie Apriori: Verspielt – EP-Review

Sechs Songs voller Poesie von Karlie Apriori

WOOHOOO! Was für ein Debüt! Mit ihrer EP „Verspielt“ rockt sich Karlie Apriori direkt ins Herz ihrer Zuhörer. Wortgewandte Texte, eingängige Melodien und eine Instrumentierung, die sich aufs Wesentliche konzentriert – besser könnte man ihren Poetenrock, wie sie die Musikrichtung gern selbst nennt, gar nicht in Szene setzen. Aprioris Musik lässt einen tagelang nicht mehr los, schubst zum Nachdenken an, lässt Tränen kullern, verbreitet Aufbruchsstimmung und das Gefühl, alles sei möglich. Einziges, aber schwerwiegendes Manko: nur sechs Songs! Das ist ausbaufähig.

Karlie Apriori, ihr neues Leben und viel Musik

Karlie Apriori Verspielt Cover

Mit ihrer Debüt-Single „Zu mir“ (auch schon Song des Tages) gewann die Wahlberlinerin Karlie Apriori 2017 einen der begehrten „listen to berlin“-Awards und stand 2019 im Finale beim „Panikpreis“ von Udo Lindenberg. Seit ihrem 14. Lebensjahr schreibt sie eigene Songs – bis zu ihrer ersten EP war es jedoch ein langer und beschwerlicher Weg. „Ich war todunglücklich mit meinem Leben, in einer Sackgasse und dann hab ich‘s einfach gecheckt: Es ändert sich nichts, wenn ich mich nicht ändere.“ Mit dieser neu gewonnenen Einsicht startet sie in ein neues Leben, in dem sie sich voll und ganz auf die Musik und ihre eigenen Bedürfnisse konzentriert. Ihre Reise zu sich selbst, unvermeidliche Rückschläge und die Herausforderungen, denen sie sich immer wieder stellen muss, verarbeitet sie in ihren Texten. Entstanden ist ein energiegeladenes, optimistisches Album, das auf mehr hoffen lässt.

Sechs Songs voller Poesie

„Verspielt“ ist der erste und gleichzeitig namengebende Song der EP: „Bei uns zu Haus war immer das willkommen, was in dem Rahmen lag, den Mama gebastelt hat. Doch mein Herz schlug so viel wilder und ich malte größere Bilder.“ So viele verschiedene Informationen und Zusammenhänge in so wenigen Zeilen, genial. Der stimmungsgeladene Song geht ins Ohr und bleibt im Kopf – das Patentrezept für einen Hit. Für „Raufasern“ muss man sich Zeit nehmen – damit man auch wirklich keines der wunderbaren Wortspiele verpasst. „In meinen rauen Phasen, frag ich die Raufasern, was sie zu sagen haben.“ Vielleicht gäbe es weniger gebrochene Herzen und angekratzte Egos, wenn vor dem Ausgehen „Zu mir“ im Hintergrund laufen würde: „Bevor ich mit zu dir komm, komm ich mal lieber zu mir.“

Oldendorf, Groitzsch und Suhl

Auch will Karlie Apriori nicht mehr auf „Gutes Wetter“ warten, bevor sie etwas anpackt – und reißt damit die Zuhörer aus ihrer Lethargie. Ein energiegeladener Song, der Aufbruchsstimmung verbreitet. Nach „Oldschool“ möchte man sofort die engsten Freunde anrufen, um gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Wenn Karlie „Ich find’s so schön, dass wir uns kennen, auch wenn uns Kilometer trennen“ singt, kann man sogar ihr Lächeln hören. Und die Ortsnamen Oldendorf, Groitzsch und Suhl in einem Songtext zu verarbeiten, muss man auch erstmal schaffen. „Hey, alter Mond“ beschert dem Hörer ein Wechselbad der Gefühle – vom Schmunzeln über Gänsehaut bis hin zu Tränen hat dieses Lied einfach alles. Nach jedem einzelnen Song denkt man: Ah, das ist definitiv der beste. Denkste! Schon zaubert die Poetin die nächste Textzeile aus dem Hut, die amüsiert, verblüfft oder ganz tief aus der Seele spricht.

„Verspielt“ von Karlie Apriori ist am 25.10.10.2019 erschienen (Beitragsbild von Katharina Menzel).

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