Leif Vollebekk: New Ways – Albumreview

Leif Vollebekk: New Ways – Albumreview

Die hohe Songwriterkunst des Leif Vollebekk

Neue Wege also für den kanadischen Songwriter Leif Vollebekk. Aber keine Angst, wer sich an den melancholischen Vollebekk des 2017 veröffentlichten, und bei Sounds & Books besprochenen Albums “Twin Solitude“ gewöhnt hat, wird den in Ottawa geborenen und in Montreal lebenden Musiker auch auf „New Ways“ sofort wiedererkennen. Es sind Nuancen, die sich in seinem Klangbild verändern, sanfte Variationen eines Americana-Singer-Songwritings, das sich immer noch auf eine wesentliche Instrumentierung reduziert.

Mehr Groove und Soul

Leif Vollebekk New Ways Cover Secret City Records

Viel mehr als Gitarre, Piano, Bass, dezentes Schlagwerk und gelegentliche Streicher sind auch auf „New Ways“ nicht zu vernehmen. Die einzig markante und schwerwiegende Veränderung erlaubt sich der Multiinstrumentalist beim „Never Be Back“, wenn er im gerappten Sprechgesang ein Wortgewitter über uns niederprasseln lässt, nur um im Refrain auf den smarten Soul eines Bill Withers umzuschalten und die wegweisenden Zeilen „She’s my woman and she loved me so fine / She’ll never be back“ zu singen. Im Vergleich zum Vorgänger lebt „New Ways“ durchaus von mehr Groove und Rhythmus. Es ist ein einschmeichelnder, geschmeidiger und souliger Groove, den Leif Vollebekk seinem bekannten Songwriter-Sound unterjubelt, von dem das famose „Hot Tears“ ganz besonders profitiert, während „Blood Brother“ sogar munter vorwärts galoppiert.

Leif Vollebekk in der Ryan-Adams-Liga

Vollebekk singt immer noch so barmend-zärtlich wie Ryan Adams in seiner besten Zeit, der elegisch-schwermütige Opener „The Way You Feel“, oder das herzzerreißende „Phaedrus“ dienen da nur als die zwei schönsten Beispiele. Das bei uns bereits als Song des Tages vorgestellte, emotional aufwühlende, mit fahrigen Streichern gefütterte „Transatlantic Flight“ schwebt am Ende durch Raum und Zeit und beim abschließenden „Apalachee Plain“ wirft sich Vollebekk mit Verve in einen Neil-Young-Gedächtnis-Mundharmonika-Part und gönnt sich gar einen Jodler. Dazwischen zeugen „Change“, „I’m Not You Lover“ und „What A While“ von der qualitativ hohen Songwriterkunst dieses außergewöhnlichen Musikers. Definitiv bereits die Ryan Adams- und Kevin Morby-Liga.

„New Ways“ von Leif Vollebekk ist am 01.11.2019 bei Secret City Records / Rough Trade erschienen (Beitragsbild von Ann Allister).   

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