Die KiWi Musikbibliothek: Leidenschaftlich und subjektiv

Die KiWi Musikbibliothek: Leidenschaftlich und subjektiv

Die KiWi Musikbibliothek mit Sophie Passmann und Frank Ocean, Anja Rützel und Take That, Tino Hanekamp und Nick Cave, sowie Thees Uhlmann und Die Toten Hosen

Es ist nur logisch, dass Kiepenheuer & Witsch eine Musikbibliothek veröffentlicht. Schon immer war der Kölner Verlag, der Bücher von Nick Cave und Dirk von Lowtzow, sowie Biographien von u.a. Patti Smith und Wilco-Chef Jeff Tweedy für den deutschen Markt zugänglich gemacht hat, der populären Musik zugewandt. Eine Art Rock’n’Roll-Verlag des deutschen Literaturbetriebes. Mit der KiWi Musikbibliothek bringen die Literatur- und Musikliebhaber vom Kölner Bahnhofsvorplatz ihre Leidenschaften auf den Punkt. Selbstverständlich und konsequenterweise haben wir es hier nicht mit wissenschaftlichen Popmusik-Abhandlungen zu tun. Ganz im Gegenteil, war es doch das erklärte Ziel, „radikal subjektive, literarische Liebeserklärungen an die Musik“ abzugeben.

Die KiWi Musikbibliothek mit Frank Ocean und Take That

Die Liebeserklärungen geben Künstler an ihre Lieblingsband, respektive andere Solokünstler ab. Die Bände erscheinen im fast federleichten und handlichen Jackentaschenformat mit einer überschaubaren Seitenzahl von 100-170. Es bleibt Sophie Passmann, Anja Rützel, Tino Hanekamp und Thees Uhlmann vorbehalten, die KiWi Musikbibliothek zu eröffnen. Die Kolumnistin und Buchautorin Sophie Passmann („Alte weiße Männer“), hat sich den R&B-Songwriter Frank Ocean ausgesucht, dessen vielschichtige Musik sie sich für ihre Beerdigung wünscht, nur damit sich die Hinterbliebenen Gedanken über die Komplexität von Oceans Kompositionen machen sollen, und der ihr den Soundtrack im Kampf gegen ihre bipolare Störung liefert. Von der Journalistin und Autorin Anja Rützel erfahren wir, weshalb sie Take That liebt, weshalb diese ihre „liebsten Fluchthelfer aus dem schrundigen Alltag“ sind, und wie sie zu den einzelnen Bandmitgliedern steht.

Mit Nick Cave in Mexiko und den Toten Hosen in Hamburg

Der Journalist und Romancier Tino Hanekamp („So was von da“) erzählt uns von der Reise mit seiner Freundin zu einem Konzert und Treffen von und mit Nick Cave in Mexiko-Stadt. Bis auf einen Songtitel weiß die Freundin nicht sehr viel über Hanekamps Idol und folgerichtig stellt uns der Autor Biographisches aus Caves Leben sowie die eigenen Bezugspunkte zum australischen Songpoeten vor. Thees Uhlmann besuchte sein erstes Toten-Hosen-Konzert als Schüler in der 9. Klasse. Eine ganze Busladung Kids wurde aus dem heimatlichen Hemmoor zum Auftritt nach Hamburg gekarrt, und später, als Uhlmann selbst eine Karriere als Musiker begann, entwickelte sich gar eine Freundschaft zu der Düsseldorfer Punk-Rock-Band. Es ist nicht nur die vorgegebene subjektive Herangehensweise an das Thema, die die Texte der KiWi-Musikbibliothek-Autoren vereint, sondern gleichzeitig auch ihre große Leidenschaft für das jeweilige Sujet und die Popmusik als solche. Eine lobenswerte Leistung.

Die Bände der Musikbibliothek erscheinen im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Für weitere Informationen und zum dazugehörigen Podcast geht es hier entlang. (Beitragsbild: Buchcover by Gérard Otremba)

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