Wilco: Ode To Joy – Albumreview

Wilco: Ode To Joy – Albumreview

Eine unspektakulär-schöne Wilco-Platte

Wer Zeuge eines der im September stattgefundenen Europa-Konzerte wurde – der Wilco-Auftritt am 14.09.2019 in der Hamburger Elbphilharmonie gehörte zu den besten ihrer Karriere – konnte bereits erste Eindrücke vom neuen Songmaterial sammeln, standen doch sieben der elf Tracks von „Ode To Joy“ regelmäßig auf der Setlist. „Ode To Joy“ ist das elfte Studioalbum der Rock-Formation aus Chicago und wahrscheinlich das am liebevollsten austarierte von allen. Eine auf den ersten Blick vermeintlich unspektakuläre Wilco-Platte, auf der  Jeff Tweedy den Tod seines Vaters und die Krebserkrankung seiner Frau verarbeitet, mithin also auch eine nachdenkliche und eine traurige Atmosphäre evozierende Platte.

Eine zu entdeckende Schönheit

Wilco Ode To Joy Cover dBpm

Das Sextett verstärkt dieses Ambiente mit dem letzten Song des Albums, „An Empty Corner“, bei dem Tweedy elend schwermütig singt, aber Hoffnung verbreitet („You don’t care / You’ve got family out there“). Das Tempo fast im Stillstand verharrend, leise Pianoakkorde, eine sanfte akustische Gitarre, ein dezentes Schlagzeug sowie eine verhallende Geräuschkulisse im Hintergrund. Wie ein Wachtraum indes erscheint der Beginn mit „Bright Leaves“. Das stoische Schlagzeugspiel Glenn Kotches, begleitet von Nels Clines leuchtenden Gitarrenlicks, trockenen Akustikgitarren und Tweedys gehauchtem Schmerzensgesang. Jeff Tweedys Noir-Gesang beherrscht das Album, daran ändern auch vorübergehende Aufhellungen wie im Chorus von „Before Us“ nichts. Aber dahinter steckt eine zu entdeckende Schönheit, wie sie uns nur Wilco schenken können. Fast ein wenig spröde und dann doch wieder ganz liebreizend wie in „One And A Half Stars“. Während „Quiet Amplifier“ noch etwas sakral-gespenstisch anmutet, findet die Band im anschließenden „Everyone Hides“ zum munteren Pop. Kein überschwänglicher Pop wie ihn Wilco schon häufig zelebrierten, doch im Vergleich zu den anderen, sehr tiefsinnig-versonnen Songs auf „Ode To Joy“ geradezu mitreißend.

Wilco – Immer noch die beste Band der Welt

„White Wooden Cross“ begrüßt man wie einen guten alten Freund, da herrscht die sofortige Vertrautheit und Wilco laden mit einem leichten Tänzeln zum Tagträumen ein. Das flirrende „Citizens“, das sinistere „We Were Lucky“, das im Schönklang versunkene und von Sounds & Books als Albumankündigung vorgestellte „Love Is Everywhere (Beware)“ sowie das von hymnisch-störrischen Gitarren und einem fluffigen Rhythmus dominierte „Hold Me Anyway“ vervollständigen das Album. „Ode To Joy“ gehört nicht zu den Überwerken wie „Summerteeth“, „Yankee Hotel Foxtrott“ oder „A Ghost Is Born“, klingt aber interessanter als zuletzt „Star Wars“ und „Schmilco“ und liefert einen neuerlichen Beweis, dass Wilco die beste Band der Welt ist und als eine der wenigen seit 25 Jahren auf einem konstant sehr hohem Niveau musiziert.

„Ode To Joy“ von Wilco erscheint am 04.10.2019 bei dBpm / ADA / Warner (Beitragsbild: Pressefoto).                  

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