Molly Sarlé: Karaoke Angel – Albumreview

Molly Sarlé: Karaoke Angel – Albumreview

Inniges und feingeistiges Folk-Album von Molly Sarlé

Bei ihrem Konzert auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival trat Molly Sarlé allein mit ihrer E-Gitarre auf, um die Songs ihres Soloalbums „Karaoke Angel“ vorzustellen. Dementsprechend waren die Arrangements an dem Abend im Imperial Theater von gespenstischer Intensität. Intensiv sind die Songs auf Sarlés Debütalbum nicht minder, einige Instrumente mehr sind hierauf ebenfalls zu hören, die Atmosphäre indes bleibt eine innige.

Der Geist von Woodstock

Molly Sarlé Karaoke Angel Cover Partisan Records

Die amerikanische Songwriterin, die seit zehn Jahren mit ihren Kolleginnen Alexandra Sauser-Monnig und Amelia Randall Meath als Folk-Trio Mountain Man unterwegs ist, hat „Karaoke Angel“ unter der Assistenz von Produzent Sam Evian in einer ehemaligen Kirche in Woodstock, New York, aufgenommen. In der Umgebung von Woodstock herrschte bereits von 50 Jahren ein besonderer Geist, die positiven Vibes von damals scheinen immer noch an jeder Ecke zu lauern, jedenfalls vermitteln die zehn Albumsongs diesen Eindruck. Zehn Indie-Folk-Songs, die zwischen filigran-schöngeistig, eingängig poppig und radikal-entkernt changieren. Zur letzten Gattung gehört der die Platte abschließende Track „Passenger Side“, der mit Sarlés Gesang und Gitarrenspiel mit aller Vehemenz an die kurze Glanzzeit eines Jeff Buckley erinnert.

Der Schönklang der Molly Sarlé

Demgegenüber stehen Songs wie der zauberhafte, geradezu schwebende Opener „Human“, der vor Melodieseligkeit nur so strotzt. Verwunschener, aber mit ähnlichem Sinn für harmonisches Gespür ausgestattet ist „This Close“, in dem Molly Sarlé über eine Freundschaft mit einem Drogenabhängigen singt. Im Titeltrack „Karaoke Angel“ greift sie sowohl den Folk eines Neil Young als auch den einer Joni Mitchell auf. Deren Laurel Canyon- und Appalachen-Folk steht auch Pate für „Almost Free“, ein bewegendes Lied über die Selbstmordgedanken ihres Vaters. Sarlé versteht es, einen mit den zartbesaiteten Songs „Twisted“, „Kimberly“ und „Dreams“ den Atem zu rauben und mit den popaffinen Tracks „Faith For Doubt“ und „Suddenly“ einen Fleetwood Mac evozierenden Schönklang zu offenbaren. Was will man mehr?  

„Karaoke Angel“ von Molly Sarlé ist am 20.09.2019 bei Partisan Records / PIAS erschienen (Beitragsbild von Gérard Otremba).

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