Niels Frevert: Putzlicht – Albumreview

Niels Frevert: Putzlicht – Albumreview

Niels Frevert auf dem Höhepunkt seiner Songwriter-Kunst

Als Sänger und Songwriter der Band Nationalgalerie erlangte Niels Frevert in der ersten Hälfte der 90er-Jahre einen gewissen Halbwertsruhm. Nach vier Alben war 1996 Schluss mit der Indie-Rock-Band, es folgten fünf Soloalben in 17 Jahren. „Putzlicht“ ist das sechste Studioalbum des Hamburger Musikers und der Nachfolger des formidablen, an dieser Stelle besprochenen „Paradies der gefälschten Dinge“ von 2014. Fünf Jahre ohne eine neue Platte sind eine verdammt lange Zeit im Popbusiness, aber einen grandiosen Songwriter wie Frevert ficht das alles nicht an, denn es ist „Immer noch die Musik“, die ihn um- und antreibt.

Warmherzige Songs

Niels Frevert Putzlicht Cover Grönland Records

Nach einer etwas über einer Minuten langen „Prelude“ startet das Album mit eben jenem warmherzigen, feingeistigen und melancholischen Song. Seinen trostspendenden Text („Wenn die Sache dir zu nahe geht / Dein Herz in Schutt und Asche liegt / Ist da immer noch / Immer noch die Musik“) verpackt der 1967 geborene Musiker in einen lässigen, aber kompakten, sehr catchy Bandsound. Die Melodie- und Harmonieseligkeit treibt beim anschließenden „Ich suchte nach Worten für etwas das nicht an der Straße der Worte lag“ noch schönere Blüten. Die auf „Paradies der gefälschten Dinge“ noch sehr präsenten und dominierenden Streicher- und Bläserarrangements sind zugunsten von wunderschönen Gitarrenlicks reduziert, setzen aber noch grandiose Akzente wie beim erhabenen „Als könnte man die Sterne berühren“ (und später beim Titeltrack „Putzlicht“, dem wehmütigen „Brückengeländer“ oder dem majestätischen „Nie mehr wie vorher“).

Songwriter-Pop-Perlen von Niels Frevert

Als ob sich Kettcar und Wolf Maahn zu einer einzigartigen, gemeinsamen Komposition getroffen hätten. Feierliches Pathos und reinster Wohlklang. Erst nach diesem überragenden Dreierpack folgt das bei Sounds & Books bereits als Song des Tages vorgestellte, nicht minder eindrucksvolle „Leguane“, das auf Synthies, Piano und satte Drum- und Gitarrenparts setzt. Niels Frevert lässt die Krisen hinter sich und versammelt auf „Putzlicht“ zehn edle, vollkommene Songwriter-Pop-Perlen, die den Musiker auf dem Höhepunkt seiner Kunst zeigen.

„Putzlicht“ von Niels Frevert erscheint am 06.09.2019 bei Grönland Records / Rough Trade (Beitragsbild von Benedikt Schnermann).

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