Iggy Pop: Free – Albumreview

Iggy Pop: Free – Albumreview

Iggy Pop macht auch vor Jazz und Ambient nicht Halt: Sein 18. Studio-Album klingt schon jetzt wie ein Klassiker

Es gibt ein Foto von 1972, auf dem Iggy Pop zwischen Lou Reed und David Bowie steht. Zwischen den Zähnen hält er eine Packung Lucky Strike, sein Blick verrät, dass es eine berauschende Nacht ist. Dass er es sein würde, der die anderen beiden überleben wird, war damals sicher kein heißer Tipp. Doch nun ist Iggy Pop das letzte Einhorn. Der letzte Samurai. Und seine Energie scheint unerschöpflich. Spätestens seit „Post Pop Depression„, dem gemeinsamen Album mit Josh Homme von 2016, ist Iggy Pop im nächsten Frühling seiner Karriere.

Iggy Pop arbeitet mit Ambient und Jazz

Iggy Pop Free Cover Caroline International

„Free“ ist sein mittlerweile 18. Studio-Album. Und es ist anders als alles, was Pop bislang gemacht hat. War „Post Pop Depression“ ein straightes Glamrock-Album im Geiste seiner End-70er-Phase, mischt die neue Platte Elemente aus Ambient, Jazz, Spoken Words hinzu. Insgesamt zehn Stücke sind hier zu hören. Das Intro „Free“ stimmt melancholisch und mahnend auf die Songs ein. „Loves Missing“ entspricht noch am ehesten den Erwartungen an Punkrock. Gitarristin Sarah Lipstate und Trompeter Leon Thomas pinseln das durchlaufende Riff mit jedem Takt etwas bunter. Pops lässiger Gesang thront über allem. Ein großer Song.

Zu den besten Tracks dieser Platte zählt auch das sphärische „Sonalil“, das mit seinen Free Jazz-Anleihen einen „Blackstar“-Vibe hat. Und auch das mit einem Killer-Bass-Riff ausgestattete „James Bond“ fräst sich – spätestens mit der funky Gitarre ab Strophe 3 – tief ins Hirn. Und dann dieses Trompetensolo! Auch der hysterische Call and Response-Gesang in „Dirty Sanchez“ hinterlässt nachhaltig Eindruck.

Iggy Pops Auseinandersetzung mit dem Ende

„Wenn ich meine Stimme von damals, als ich anfing, mit der von heute vergleiche, höre ich mich immer mehr so an, als ob ich mich dem Ende nähere. Ich höre mich an wie Shrek“, sagte Iggy Pop kürzlich bei einem Pressetermin. Den Vergleich muss man so nicht aufmachen. Wenn man sich aber „Do Not Go Gentle Into The Good Night“ anhört oder „Glow In The Dark“, zwei strukturfreie, assoziative Spoken Word-Stücke, dann schwingt da eine unüberhörbare Vergänglichkeit mit, die einen schaudern lässt. Noch eindrücklicher ist „We Are The People“, in dem Pop über wenige Piano-Mollakkorde und eine Jazztrompete über die menschliche Existenz sinniert.

Mit „Free“ betritt Iggy neues Land und bleibt doch unverwechselbar er selbst. Alles hier klingt nach Klassiker, nach Zeitlosigkeit. On he goes. Long may he run.

„Free“ von Iggy Pop erscheint am 06.09.2019 bei Caroline International (Beitragsbild: Albumcover).

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