Dieter Forte: Als der Himmel noch nicht benannt war

Dieter Forte: Als der Himmel noch nicht benannt war

Ein letztes Buch von Dieter Forte

Der deutsche Schriftsteller Dieter Forte verstarb am 22. April dieses Jahres. Trotz diverser Auszeichnungen für seine Werke als Dramaturg, Romancier und Gestalter von Hörspielen und Fernsehfilmen erlangte der 1935 in Düsseldorf geborene Forte nie wirklich den ihm prinzipiell zustehenden Ruhm. Sein Theaterstück „Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung in die Buchhaltung“ machte ihn in den 70er-Jahren bekannt, in den 90ern veröffentlichte Dieter Forte eine unter dem Titel „Das Haus auf meinen Schultern“ zusammengefasste Schlüsselromantrilogie der deutschen Literaturgeschichte, bestehend aus den Einzelbänden „Das Muster“, „Tagundnachtgleiche“ (ursprünglich „Der Junge mit den blutigen Schuhen“) sowie „In der Erinnerung“.

Dieter Fortes formvollendete Prosa

Dieter Forte Als der Himmel noch nicht benannt war Cover S.Fischer Verlag

2004 folgte noch „Auf der anderen Seite der Welt“, das die Trilogie in eine noch opulentere Tetralogie überführte. Mithin bekamen die Leser das Beste und Intelligenteste in der deutschsprachigen Literatur seit den Mann-Brüdern, Wolfgang Koeppen und Uwe Johnson zu lesen. Die Krux mit Fortes Literatur dokumentierte die Fernsehsendung „Lesen!“ im ZDF. Noch jedes von Elke Heidenreich damals in den Himmel gelobte Buch fand den Weg in die relevante, weil verkaufsfördernde Spiegel-Top-20-Bestsellerliste. Allein „Auf der anderen Seite der Welt“ wollte es partout nicht gelingen, die besten Plätze der Spiegel-Charts und somit einen markanten Präsentationsplatz in vielen Großbuchhandlungen zu erreichen. Zuletzt fand sich Dieter Forte mit seiner formvollendeten Sprache in einer essayistischen Prosa wieder, die in „Das Labyrinth der Welt – Ein Buch“ der stilistischen Ästhetik der deutschsprachigen Literatur ein weiteres Glanzlicht schenkte.

Die Kulturgeschichte des Menschen

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Buch „Als der Himmel noch nicht benannt war“, das wenige Wochen vor Fortes Tod erschienen ist. Beide Bücher thematisieren die Kulturgeschichte des Menschen und im neuen, lediglich 90 Seiten umfassenden, Werk stellt uns Forte die zwei Behauptungen, der Mensch sei ein „zerstörerisches“, bzw. ein „erzählendes Wesen“, entgegen. Der namenlos bleibende Erzähler, mithin ein Schriftsteller, trifft einen Bibliothekar, der ihn durch in seine Bibliothek führt: „Er breitete die Arme aus. Es ist der Mensch, der die Welt wieder verlässt. Die Bibliothek ist die Ewigkeit. Das hier ist der Sternenhimmel des Menschen, es ist sein Universum, so unendlich wie das Weltall.“

Es lohnt sich, Dieter Forte zu entdecken

Von der beeindruckenden Mannigfaltigkeit der Bücher inspiriert, taucht der Erzähler nach der Frage des Menschseins in die Zeit ein, als der Mensch damit begann, den Dingen Namen zu geben. Es folgt ein Abriss der menschlichen Kulturgeschichte: das Bild, das Wort, die Götter, die Mythen, die Bauten, die Denker, bis hin zu einem Beatles-Song. „Als der Himmel noch nicht benannt war“ ist eine poetische Huldigung an die Sprache, die Bücher, die Wissensvermittlung. Mit Dieter Forte hat uns ein großer deutscher Sprachästhet verlassen, seine literarische Hinterlassenschaft kann indes nicht gebührend genug gepriesen werden. Entdecken Sie die Literatur Dieter Fortes, es lohnt sich.

Dieter Forte: „Als der Himmel noch nicht benannt war“, S. Fischer, Hardcover, 96 Seiten, 978-3-10-397220-7, 17  € (Beitragsbild von Jürgen Bauer).

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