Ilgen-Nur: Power Nap – Albumreview

Ilgen-Nur: Power Nap – Albumreview

Ilgen-Nur: Nicht nur für Hamburg ein Gewinn

Es war ja relativ schnell klar, dass wir es mit einem Rohdiamanten des Indie-Rock zu tun haben. Bereits die erste Single „Cool“ deutete das Potential von Ilgen-Nur an, „Matter Of Time“ dann – bei Sounds & Books im März 2018 zum Song des Tages gekürt – war schon ein so vortrefflicher Indie-Pop-Erguss mit Slacker-Attitüde, dass es einem ganz schwindelig werden konnte, ob des fabelhaften Melodieliebreizes dieses Songs. Hätte letztes Jahr eigentlich wochenlang die Single-Charts anführen müssen. Dazu noch die als Tape veröffentlichte EP „No Emotions“, von Max Rieger (Die Nerven) produziert und von der famosen Backing Band, bestehend aus Gitarrist Paul Pötsch (Trümmer), Bassist Laurens Bauer (Erregung öffentlicher Erregung) und Schlagzeuger Simon Starz unterstützt.

Einst im Vorprogramm von Tocotronic

Ilgen-Nur Power Nap Albumcover Power Nap Records

Im Vorprogramm der letzten Tocotronic-Tour konnte die aus der Nähe Stuttgarts stammende und nun in Hamburg wohnende Musikerin ihr Können einem breiteren Publikum vorstellen, das Heimspiel in der Großen Freiheit 36 geriet zu einem umjubelten Fest. Schnell waren Vergleiche mit Courtney Barnett unvermeidlich und beim Hören ihres Debütalbums „Power Nap“ fallen einem auch Namen wie Cherry Glazerr oder Phoebe Bridgers ein. Ilgen-Nur Borali pflegt das Image der zwischen Langeweile sowie Aufregung und Wut pendelnden Künstlerin. Viele der Songs auf „Power Nap“ sind von so edler Traurigkeit wie die von Lana Del Rey, allerdings mit den Mitteln des Indie-Rock transportiert. Zu den schönsten und besten Songs des Albums zählt „New Song II“. Der melancholische Gesang Ilgen-Nurs schwebt geradezu über den Instrumenten hinweg, evoziert Weite und Tiefe, und wird aufgefangen von Gitarren, Schlagzeug und Klavier.

Ilgen-Nur und das Indie-Hit-Potential

Diesen höchst melodiösen Dream-Pop-Rock, der immer mal wieder auch an The Smiths erinnert, kultiviert die Songwriterin mit ihrer Band auch in Songs wie „Nothing Surprises Me“, „Soft Chair“, „Clean Sheets“ oder dem bei Sounds & Books ebenfalls als Song des Tages vorgestellten „In My Head“, gleichfalls der Auftakt der Platte. „In My Head“ und das treibend-pulsierende „Easy Way Out“ besitzen großes Indie-Hit-Potential, während „You’re A Mess“ die wütende Ilgen-Nur zeigt und „TV“ dem Post-Punk und New Wave mit Indie-Pop-Charakter huldigt. Mit „Power Nap“ gelingt der 23-jährigen Musikerin nicht nur ein überaus lässiges, sondern auch ein verdammt gutes Debütalbum. Ilgen-Nur ist nicht nur für die Musikstadt Hamburg ein großer Gewinn.

„Power Nap“ von Ilgen-Nur erscheint am 30.08.2019 bei Power Nap Records (Beitragsbild von Gérard Otremba).

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