Frank Turner: No Man’s Land – Albumreview

Frank Turner: No Man’s Land – Albumreview

Ein von faszinierenden Frauen geprägtes Konzeptalbum von Frank Turner

Am 16.08.2019 kommt das neue Frank Turner Album „No Man’s Land“ auf den Markt. Im Gegensatz zu seinem letzten, ebenfalls bei Sounds & Books besprochenen Werk, „Be More Kind“, das soundtechnisch sehr experimentell war und Inhaltlich stark an am aktuellen Zeitgeschehen orientiert war, hat er mit seinem neuesten Werk wieder einmal einen neuen Weg eingeschlagen.

Frank Turners erstes Konzept-Album

Frank Turner No Man's Land Albumcover Xtra Mile Recordings

Musikalisch schwankt „No Man’s Land“ zwischen seinem typischen Singer-Songwriter-Sound und US-amerikanischen Country-und-Western-Sound, je nach Thema des Songs. Und da kommen wir auch schon zur Krux des Albums. Es handelt sich um ein Konzept-Album.
Langjährige Fans werden wissen, dass Frank Turner immer meinte, dass er nie ein Konzeptalbum schreiben würde. Die Zeiten ändern sich, so auch die Themen und Ideen, die der Songschreiber zu Papier bringt.
Als bekennender Geschichts-Nerd, er nennt auch einen Bachelor in Europäischer Geschichte sein Eigen, sind ihm beim Fröhnen seines Hobbys teils unerzählte, aber auch sehr spannende Geschichten über einen wichtigen Teil unserer Gesellschaft über den Weg gelaufen. „No Man’s Land“ handelt ausschließlich über Frauen in verschiedenen geographischen und historischen Kontexten. Es geht bei diesem Album aber nicht nur um Frauen, es wurde auch musikalisch, abgesehen von Frank Turner selbst, von Musikerinnen umgesetzt.

Frank Turner besingt faszinierende Frauen

Frank Turner singt z. B. von der byzantinische Prinzessin Kassiani („The Hymn Of Kassiani“), der aus Ägypten stammenden, feministischen Aktivistin Huda Sha’arawi („The Lioness“) sowie von Resusci-Anne („Rescue Annie“), einer ertrunkenen Jungfrau, deren Gesicht als Modell für medizinische Reanimationsübungspuppen auf der ganzen Welt genutzt wurde. Auch eine Serienmörderin aus den tiefen Südstaaten der USA, die ihre Opfer über Kontaktanzeigen in der Zeitung suchte (Nannie Doss), eine jazzbesessene Erbin, die in der Free-French-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs kämpfte (Nica Rothschild) , oder ein Vaudeville-Star aus dem Wilden Westen, die von einem Kleinstadt-Banditen erschossen wurde (Dora Hand), werden thematisiert.

Begleitet von einem Podcast

Insgesamt 13 Tracks finden sich auf dem von Cathrine Marks produzierten Album „No Man’s Land“, dessen Veröffentlichung von einem sympathisch und sehr professionell umgesetzten Podcast begleitet wird, der die jeweiligen Personen und Geschehnisse etwas deutlicher beleuchtet.

Ein feministisch geprägtes Werk

Es gibt Menschen, die werfen Frank Turner jetzt „Mansplaining“ vor, weil sein jüngstes Werk sehr feministisch geprägt ist. Wer öfter mal auf seinen Konzerten ist, wird aber schnell merken, dass er sich immer für Gleichberechtigung und ein faires Miteinander einsetzt. So sind dort z. B. sehr oft Infostände von „Safe Gigs for Women“ zu finden. Dort können sich Opfer von sexuellen Übergriffen nach Hilfe informieren.
Letzten Endes erzählt er Geschichten von Personen, die er selbst faszinierend findet und über die selten oder gar nicht geschrieben wurde. Auch die Geschichte seiner eigenen Mutter. Der Song „Rosemary Jane“ beschreibt ihren Mut und ihre Entschlossenheit angesichts von jahrelangem emotionalen Missbrauch durch seinen Vater.     

„No Man’s Land“ von Frank Turner erscheint am 16. August bei Xtra Mile Recordings/Polydor Records (Beitragsbild von Kevin Winiker).

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