Die Höchste Eisenbahn: Ich glaub dir alles

Die Höchste Eisenbahn: Ich glaub dir alles

Charmantes und ideenreiches neues Album von Die Höchste Eisenbahn

Im Februar erst erschien das ausgezeichnete Doppel-Album „Ich hab‘ einen Vertrag unterschrieben 1+2“ von Moritz Krämer, und schon legt er mit seinen Kollegen Francesco Wilking, Felix Weigt und Max Schröder auf nicht minder beeindruckende Weise nach. „Ich glaub dir alles“ heißt die nach „Schau in den Lauf, Hase“ und „Wer bringt mich jetzt zu den anderen“ dritte Platte ihrer gemeinsamen Band Die Höchste Eisenbahn. Mit dem Song „Aufregend und neu“ beginnt der Longplayer und es ist zwar nicht alles neu bei Die Höchste Eisenbahn, aber vieles aufregend.

Die Liebe zu Die Höchste Eisenbahn

Die Höchste Eisenbahn Ich glaub dir alles Cover Tapete Records

Besagter Opener zum Beispiel überrascht mit einem mediterranen Urlaubs-Groove, während sich Krämer und Wilking im schnellen Wechsel-Gesang duellieren. Im anschließenden „Kinder der Angst“ gibt Die Höchste Eisenbahn mächtig Gas, ein treibender NDW-Rock-Pop mit der einschlägigen Zeile „Ich sing solange, bis ihr mich alle liebt“. Natürlich lieben wir Die Höchste Eisenbahn schon lange, und mit jedem neuen Album mehr. Bestätigungen der Liebe wie „Ich glaub dir alles“ nehmen wir gerne mit. Das Quartett erleichtert uns die Zuneigung mit Songs wie dem geschmeidigen, am Seventies-Soft-Pop-Rock von Steely Dan orientierten „Zieh mich an“, oder dem lässigen Songwriter-Indie-Pop von „So siehst du nicht aus“. „Louise“, das die Eisenbahn-Tradition der Frauennamen fortsetzt, spart nicht mit New Wave-Verweisen zu The Cure, während „37,5°“ im Synthie-Pop-Rhythmus pulsiert. Beide echte Indie-Disco-Tanzfeger.

Kluge Köpfe

Und von der Euphorie des quirligen „Job“, bei Sounds & Books bereits als Song des Tages vorgestellt, kann man sowieso nicht genug bekommen. Bei allem Überschwang vergessen Die Höchste Eisenbahn die kleinen Schattenseiten des Lebens nicht, man höre hierzu nur mal das feinsinnige „Enttäuscht“. Und als Idealist hat man es auch nicht immer einfach („Umsonst“). Das von Moses Schneider (Tocotronic, AnnenMayKantereit) produzierte Album – zum ersten Mal legte die Band diese Geschicke in andere Hände – hat Charme, gute Ideen und gewohnt geistreiche Texte. Moritz Krämer und Francesco Wilking sind Meister darin, Alltägliches und Absurdes  zu poetisieren. Auf „Ich glaub dir alles“ werden aus Songs Freunde. Kluge Köpfe, unsere Eisenbahner.

„Ich glaub dir alles“ von Die Höchste Eisenbahn erscheint am 16.08.2019 bei Tapete Records / Indigo (Beitragsbild von Joachim Gern).

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